Ärzte Zeitung App, 30.10.2014

Irland

Wartestatistik für Kliniktermin geschönt?

Patienten, die auf eine Behandlung warten, finden sich offenbar nicht immer in der Statistik wieder.

LONDON. In Irland werden von Gesundheitspolitikern offenbar bewusst und in einem großen Umfang Wartestatistiken frisiert. Irische Ärzte sind besorgt, Patienten reagierten mit Empörung.

Irische Klinikärzte warnen seit Monaten vor den teils schlimmen Zuständen in den Staatskrankenhäusern. Zehntausende Patienten können nicht dann behandelt werden, wenn dies aus fachärztlicher Sicht eigentlich angebracht wäre. "Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge.

Die Versorgungslage hat sich in den vergangenen Monaten leider deutlich verschlechtert", sagte ein Sprecher des Ärzteverbandes (Irish Medical Organisation, IMO) in Dublin der "Ärzte Zeitung".

Die Zahlen: Derzeit warten laut Dubliner Gesundheitsministerium landesweit rund 110.000 Patienten auf einen Krankenhaustermin. Die tatsächliche Zahl der Wartenden liegt "deutlich höher", so die ärztlichen Berufsverbände.

Das Gesundheitsministerium verschönere seit einiger Zeit die offiziellen Statistiken, indem "Tausende wartende Patienten von einer Liste einfach auf eine andere Liste transferiert" würden.

Medien: Bis zu 6000 Patienten würden hin- und hergeschoben

Praktisch sieht das so aus, dass zum Beispiel Patienten, die in den offiziellen Statistiken zunächst auf einer Krankenhaus-Warteliste stehen, später zu einem privat praktizierenden Facharzt überwiesen werden. Dieser behandelt dann aber nicht, sondern diagnostiziert lediglich.

Nach der Diagnose vom Privatmediziner landet der Patient dann wieder auf einer offiziellen Warteliste - für staatliche Fachärzte, anstatt für Kliniken.

Folge: die Krankenhausliste wird kürzer. Das wird vom Gesundheitsminister immer wieder als "erfolgreiche Gesundheitspolitik in Zeiten der Finanzknappheit" dargestellt. Tatsache sei aber, dass, so die IMO, "mehr Patienten als je zuvor" warten.

Irische Medien berichten, dass monatlich derzeit bis zu 6000 Patienten von einer Liste auf eine andere Liste hin- und hergeschoben würden, um die Statistiken zu frisieren.Auch in der Onkologie, wo jährlich rund 30.000 Patienten neu diagnostiziert werden, würden Wartelisten "in großem Umfang" verschönt, so die irische Tageszeitung "Irish Independent". (ast)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »