Ärzte Zeitung, 10.08.2015

Kampf gegen Ebola

Ärzte ohne Grenzen warnt vor Nachlassen

Das öffentliche Interesse an Ebola ist abgeflaut. Ärzte ohne Grenzen warnt nun, die Krankheit sei noch lange nicht unter Kontrolle.

GENF. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnt vor einem nachlassenden Kampf gegen Ebola in Westafrika.

"Die Anstrengungen müssen international verdoppelt werden", schreibt die MSF-Präsidentin Joanne Liu in einem Kommentar in der Fachzeitschrift "Nature". Ermüdung und nachlassende Konzentration bedrohten den Sieg über die Epidemie, die noch lange nicht unter Kontrolle sei.

Die Zahl der Neuansteckungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone ging seit Jahresbeginn zwar stark zurück, es werden aber immer wieder einzelne Fälle nachgewiesen.

Insgesamt wurden in Westafrika von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 11.000 Ebola-Tote registriert, die Dunkelziffer soll nach Schätzungen weit höher liegen.

Grundversorgung neu aufbauen

"Die Vereinten Nationen, ausländische Hilfstruppen und Nichtregierungsorganisationen sollten sich noch nicht aus Westafrika zurückziehen", so Liu. "Die betroffenen Staaten müssen mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft die medizinische Grundversorgung neu aufbauen."

Finanzhilfen, die gegen künftige Ausbrüche wappnen sollen, müssten sofort fließen.

Die Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern seien wegen der Epidemie zerstört. Deshalb könnten sich nun andere Krankheiten wie Masern oder Malaria verstärkt verbreiten.

Um zu helfen und das Vertrauen wieder aufzubauen, bedürfe es auch politischer Arbeit, so Liu.

Einen Hoffnungsschimmer sieht MSF in einem Forschungserfolg: Der Ebola-Impfstoff VSV-ZEBOV hatte sich kürzlich in einer Studie in Guinea als zuverlässig erwiesen.

Organisation als Ziel von Kritik

Ärzte ohne Grenzen ist allerdings auch selbst Ziel von Kritik: "Wir wurden sechs wichtige Wochen lang aufgehalten, in denen wir auf Verträge warteten, die durch die Systeme von MSF laufen mussten", schreibt Trudie Lang, Professorin am Centre for Tropical Medicine and Global Health in Oxford, in "Nature".

Das Zentrum hatte im November eine klinische Studie in Liberia für ein Ebola-Medikament vorbereitet und war Lang zufolge auf bürokratische und logistische Hürden gestoßen.

Zur Vermeidung solcher Verzögerungen fordert Lang vertragliche Vorlagen für Forschungsprojekte. Zudem solle eine Task Force aus Wissenschaftlern gebildet werden, die sofort ausgesendet werden könne.

Auch eine internationale, unabhängige Institution sei nötig, die Forschungsprojekte bei einer Epidemie koordiniert. So könne verhindert werden, dass sich verschiedene Teams in die Quere kommen. (eb)

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