Ärzte Zeitung, 13.08.2015

Griechenland

EU-Hilfspaket bringt wohl kaum Genesung

Am Donnerstag berät das griechische Parlament das neue EU-Hilfspaket. Doch für die Gesundheitsversorgung im Land bringt das kaum Hoffnung mit sich.

Von Jana Kötter

EU-Hilfspaket bringt wohl kaum Genesung

Kommt nun Geld für die medizinische Versorgung? Zumindest kurzfristig ist davon nicht auszugehen.

© hjschneider / fotolia.com

ATHEN. Nach der Grundsatzeinigung zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Geldgebern auf ein drittes Hilfspaket muss nun das Athener Parlament das Abkommen ratifizieren.

Mit den bis zu 86 Milliarden Euro umfassenden Finanzhilfen bliebe Griechenland zwar zahlungsfähig, für das Gesundheitssystem des Landes ergibt sich - zumindest kurzfristig - aber keine Hoffnung.

Im Gegenteil: Die weitreichenden Reformzusagen, die im Vorfeld nötig waren, treffen die Bevölkerung und bringen für die medizinische Versorgung neue Hürden mit sich.

35 verschiedene Sparmaßnahmen sollen griechischen Medienberichten zufolge umgesetzt werden. Sie beinhalten unter anderem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Gastronomiebetriebe von 23 Prozent, ermäßigte 13 Prozent für Grundnahrungsmittel, Energie, Hotels und Wasser.

Hohe Arzneimittelausgaben sollen sinken

Griechenland - Innenansichten einer Krise

"Ärzte Zeitungs"-Redakteurin Jana Kötter berichtet aus Athen über die Situation im krisengeplagten Griechenland und konzentriert sich dabei auf die medizinische Versorgung.

In der Serie "Griechenland - Innenansichten einer Krise" fassen wir ihre Berichte zusammen. Schon erschienen sind folgende Artikel:

- Patienten in Athen: "Wir geben die Hoffnung nicht auf"

- Griechenland: Belastender Arbeitsalltag im Krisen-Land

- Griechenland: " Wir brauchen eine striktere Bedarfsplanung!"

- Griechenland: Junge Ärzte kritisieren Griechenland

- Griechischer Pharmamarkt: "Ineffizienz, die ihren Preis hat"

Die Anpassungen sollen ab Oktober gelten. Eine sogenannte superermäßigte Rate von sechs Prozent hingegen gilt dann unter anderem auf Arzneien; hier lag der Satz zuvor bei 6,5 Prozent. Diese - wenn auch minimale - Senkung könnte helfen, die extrem hohen Arzneimittelausgaben im System zu senken.

Auch sollen OTC-Präparate zukünftig in Supermärkten verkauft werden.Frühverrentungen werden abgeschafft und das Renteneintrittsalter im Jahr 2022 auf 67 vereinheitlicht. Eine Ausnahme stellen besonders harte körperliche Arbeiten dar sowie Mütter, die Kinder mit Behinderungen großziehen. Positiv: Die Krankenbeiträge für Rentner steigen im Schnitt von vier auf sechs Prozent.

Explizite finanzielle Mittel für die Verbesserung der Versorgung sind im Hilfspaket jedoch nicht vorgesehen. Kenner des Systems gehen deshalb davon aus, dass der Sparkurs fortgesetzt wird. Allein das Budget für Kliniken ist von 2,93 Milliarden Euro in 2009 auf 1,39 Milliarden Euro in 2014 zusammengestrichen worden.

Auch Nachbesetzungen der rund 19.000 Mediziner und Pflegekräfte, die seit 2005 etwa durch Pensionierung aus dem Dienst ausgeschieden sind, sind in naher Zukunft nicht zu erwarten, befürchtet Dr. Michael Kalavritinos, der sich ehrenamtlich als Kieferorthopäde für Ärzte der Welt engagiert.

Keine Besserung mit jetzigen Abrechnungssystem

"Nach den letzten politischen Ereignissen sind EU-Fördermittel für das Gesundheitssystem rar", sagt er. "Insbesondere bei der Lieferung von Materialien sind wir auf Privatspenden aus dem Ausland angewiesen."Das neue Hilfspaket für das Gesundheitssystem scheint weiterhin sehr klein zu sein", bedauert auch Dr. Charalambos Koulas, Mitglied der Europa-Abteilung der Panhellenic Medical Association.

Solange sich am aktuellen Abrechnungssystem mit der nationalen Einheitsversicherung EOPYY nichts ändern wird, sieht er keine Chance für eine Besserung der Lage der niedergelassenen Ärzte.

Sollte das griechische Parlament zustimmen, müssen im nächsten Schritt die Euro-Finanzminister grünes Licht geben. Im Anschluss müssten immer noch einige nationale Parlamente wie der Bundestag dem neuen Hilfsprogramm zustimmen.

"Es ist schwierig zu sagen, ob der Gesundheitssektor vom neuen Hilfspaket profitieren wird", zeigt sich Nancy Retinioti von Ärzte der Welt aber skeptisch. "Dabei wäre es dringend nötig, den Fluss von finanziellen Mitteln und medizinischem Material wieder sicherzustellen."

[13.08.2015, 10:52:15]
Prof. Dr. Ingo Heberlein 
Umschichten!
Die Griechen geben fürs Militär doppelt so viel aus wie andere vergleichbare Länder. Da ist genug Geld zum Umschichten vorhanden. Der desolate Zustand des Gesundheitswesens ist hausgemacht.  zum Beitrag »
Weitere Beiträge zur Serie:
"Griechenland: Innenansichten einer Krise"

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