Ärzte Zeitung, 10.09.2015

Ukraine

Krise schlägt auf Arzneimittelmarkt durch

Wirtschaftskrise und Kaufkraftverfall machen sich auf dem ukrainischen Markt für Arzneimittel bemerkbar.

KIEW / BONN. Die seit knapp zwei Jahren schwelende Sezessions- und Wirtschaftskrise in der Ukraine schlägt auch auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung durch. So leidet zum Beispiel der ukrainische Arzneimittelmarkt nach Beobachtungen der deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) spürbar.

Die Medikamentenverkäufe über Apotheken seien im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben des Fachblatts Apteka mengenmäßig um 14,6 Prozent eingebrochen.

Der Absatz in Wertgrößen sei auf Dollarbasis um 40,7 Prozent noch weit stärker zurückgegangen. Durch die Abwertung der Landeswährung Griwna um etwa die Hälfte im Vergleich zum US-Dollar sei bereits 2014 ein Einbruch um 19,9 Prozent verzeichnet worden, so die gtai. In Griwna gerechnet sei der Absatz 2014 allerdings um 18,9 Prozent gewachsen.

Lokal hergestellte Präparate dominierten laut Außenhandelsagentur auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Packungen betrachtet zu 77 Prozent das Apothekensortiment.

Das Gros der Umsätze hätten allerdings weiterhin laut Apteka ausländische Pharmaanbieter mit einem Anteil von 60 Prozent dominiert.

Trotz höherer Importpreise aufgrund der Währungsabwertung sei der ausländische Marktanteil - 2014 betrug er 63 Prozent - nur wenig rückläufig gewesen. Das liege vor allem daran, dass im Inland hauptsächlich Generika produziert würden.

Preisanstieg vom 73 Prozent

Im ersten Halbjahr 2015 seien die Preise der Präparate ausländischer Marken beziehungsweise Lizenzhalter gegenüber der Vorjahresperiode um 73 Prozent gestiegen - im Vorjahreszeitraum seien es 33 Prozent gewesen. Lokale Arzneimittel kosteten laut gtai 45 Prozent mehr (1. Halbjahr 2014: 21 Prozent).

Die Ukraine habe 2014 pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 2,47 Milliarden US-Dollar (2013: 3,1 Milliarden US-Dollar) eingeführt, darunter 445,7 Millionen US-Dollar aus Deutschland.

Die angespannte Situation nutzt laut gtai ein großer Einzelhändler, um Marktanteile zu gewinnen. Das kommunale Kiewer Unternehmen Pharmacy habe nach Firmenangaben im 1. Halbjahr 2015 seinen Nettogewinn auf umgerechnet etwa 123.000 Euro steigern können. Dies entspreche einem Anstieg um nominal über 700 Prozent.

Pharmacy besitze eine Kette von Apotheken in Kiew - im April 98 habe sie Apothekenverkaufsstellen und 56 größere Apotheken, von denen 48 auch Arzneien herstellen, umfasst. Das Unternehmen wolle bis Jahresende Filialen in allen Gesundheitseinrichtungen der Stadt inklusive der Polikliniken einrichten. (maw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »