Ärzte Zeitung, 12.02.2016

Syrien

UN beklagt Lage von Inhaftierten

Erschlagen, zu Tode gefoltert, ohne medizinische Hilfe an Krankheiten gestorben: Laut UN sind Kriegsverbrechen in Syriens Gefängnissen Praxis.

GENF/DAMASKUS. In Gefängnissen des Assad-Regimes sowie Haftlagern extremistischer Gruppen sind in Syrien nach UN-Angaben Tausende von Menschen gequält und getötet worden.

Folter, Vergewaltigungen, Morde sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien dort tägliche Praxis, erklärte die vom UN-Menschenrechtsrat berufene Untersuchungskommission für Syrien jüngst in einem Bericht zu massenhaften Tötungen von Gefangenen.

Viele andere Häftlinge seien durch Krankheiten infolge unhygienischer Zustände sowie die Verweigerung medizinischer Hilfe ums Leben gekommen.

Zehntausende Menschen seien im März 2011 von Sicherheitskräften der Regierung unter Präsident Baschar al-Assad inhaftiert worden, vor allem Männer und männliche Jugendliche. Für Verhaftungen reiche dem Regime schon ein Verdacht, dass jemand mit der Opposition sympathisiere. Tausende seien seit ihrer Festnahme bis heute "verschwunden".

Der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der radikalislamischen Al-Nusra-Front werfen die Ermittler willkürliche Massenhinrichtungen von Soldaten sowie Exekutionen von Gefangenen nach Todesurteilen durch illegale Gerichte vor.

Eine konkrete Zahl getöteter Gefangener könnten die Ermittler allerdings nicht nennen. Die syrische Regierung verhindere seit Jahren die Einreise der UN-Experten. Der Bericht stütze sich auf Befragungen von 621 Zeugen außerhalb Syriens sowie per Telefon und auf Dokumente.

In dem Bericht wird unter anderem das Schicksal eines 13-jährigen Jungen dokumentiert. Er sei im April 2011 in der Stadt Sayda festgenommen worden. Einen Monat später habe man seiner Familie seinen verstümmelten Leichnam zurückgeschickt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft unterdessen Syrien und Russland vor, im syrischen Bürgerkrieg zunehmend Ziele mit der international geächteten Streumunition anzugreifen. In den vergangenen zwei Wochen hätten sie diese in 14 Fällen eingesetzt. Dabei seien mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. (dpa)

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