Ärzte Zeitung, 24.06.2016

Psychologie nach Brexit

Londoner fühlen sich verunsichert und gespalten

Der Tag danach: Großbritannien tritt aus der EU aus und in der Hauptstadt herrscht Katerstimmung. Das Referendum zeigt bei den Londonern auch psychische Folgen. Einblick in die Seele Londons.

Londoner fühlen sich verunsichert und gespalten

Ungewisse Zukunft: Am Tag nach dem Brexit-Referendum scheint vielerorts die Sonne – doch kommt bald der Regen?

© pidjoe / iStock

LONDON. Rote Doppeldeckerbusse fahren an Big Ben vorbei, die Sonne scheint in der britischen Hauptstadt: Erst im Gespräch mit den Londonern wird deutlich, wie sehr sich die Stadt mit dem EU-Referendum am Donnerstag geändert hat. Viele sind traurig, niedergeschlagen, verunsichert. Sie verstehen nicht, wie etwas geschehen konnte, das sie für unmöglich gehalten hatten.

"Ich bin am Boden zerstört", sagt etwa die 51-jährige Anne-Marie Williams angesichts der Mehrheit für den Brexit. "Ich habe richtig Bauchschmerzen." Das Ergebnis der Volksabstimmung sei eine Katastrophe.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen tut es ihr vor allem für ihre Kinder leid. "Meine Kinder haben weniger Möglichkeiten in der Zukunft. Sie werden weniger frei reisen und studieren können. Und wofür eigentlich? Da haben alte Leute über die Zukunft junger Menschen entschieden, das ist nicht fair", sagt sie.

Haben marginalisierte Briten den Austritt bewirkt?

Mangelnde Fairness ist ein Thema, das in den Augen vieler Londoner eine Rolle gespielt hat bei der Entscheidung für den Brexit. Es seien die marginalisierten Menschen gewesen, die für den Austritt gestimmt haben, meint James Dickson. Menschen, die Angst haben, in existenzielle Nöte zu geraten. Die sich bedroht fühlen.

"Wenn dieses Referendum etwas gezeigt hat, dann, dass Großbritannien nicht im Reinen mit sich ist", sagt der 52 Jahre alte Projektmanager einer Baufirma. Die britische Gesellschaft sei tief gespalten.

Britisch hat sich Mario Peleanu nie gefühlt, aber europäisch. Der 45-jährige Rumäne sitzt auf einem Mauervorsprung nahe dem Polizeihauptquartier Scotland Yard und raucht eine Zigarette. Er blickt starr geradeaus, während er spricht. Der Zimmermann lebt seit zehn Jahren in Großbritannien.

Er hat keine Sorgen, dass er das Land verlassen muss. "Ich habe eine Niederlassungserlaubnis", sagt er. Aber er fühlt sich heute weniger willkommen in dem Land, das die Heimat seiner Kinder geworden ist. (dpa)

[25.06.2016, 15:08:18]
Wolfgang P. Bayerl 
nur keine Reklame gegen Demokratie.
schön, dass es sie noch gibt! zum Beitrag »
[25.06.2016, 14:19:26]
Thomas Georg Schätzler 
BREXIT vs. BREXIT
Meine persönliche Meinung: Groß-Britannien (GB) musste eigentlich gar nicht per Volksabstimmung aus der Europäischen Union (EU) mit einem BREXIT ausscheiden. GB war und ist niemals reguläres Mitglied der EU gewesen.

1. Die verbindliche Einführung des Euro ist ausgeblieben.
2. Zahllose Ausnahmen auf wirtschafts- und finanzpolitischen Gebieten.
3. In vielen Bereichen (EU-Haushaltsfinanzierung, Flüchtlinge) Sonderregeln.
4. Ständige Sonderwünsche und Alleingänge.
5. Keine einheitlichen Straßenverkehrsregeln (Linksverkehr, Rechtslenkung).
6. Kein kostenloser, Maut- und Barriere-freier Zugang wegen exklusiver Insellage.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »