Ärzte Zeitung online, 19.02.2014

Umfrage

Naturheilmittel - der geheime Champ

Naturheilmittel bieten ein wahres Potpourri an Produkten. Eine Umfrage zeigt, was die Bevölkerung alles unter diesem Begriff versteht.

BERLIN. Wer denkt, der Begriff "Naturheilmittel" (NHM) sei in der Bevölkerung begrifflich klar umrissen, der irrt. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von TNS Infratest aus dem November 2013 im Auftrag des Herstellers Dr. Willmar Schwabe, deren Ergebnisse am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden.

"Naturheilmittel sind nicht nur Arzneimittel, sondern eine breite Palette von möglichen Produkten", brachte es Professor Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen auf den Punkt.

So nehmen pflanzliche Arzneimittel mit 87 Prozent unter den genannten den ersten Platz ein, direkt gefolgt von Hausmitteln (86 Prozent), Gesundheitstees (77 Prozent), Gesundheitsbädern (70 Prozent) und Homöopathika (68 Prozent). Es werden aber auch Naturkosmetik (47 Prozent) Functional Food (22 Prozent) oder diätetische Lebensmittel (elf Prozent) subsumiert.

Alles in allem steckt hinter den NHM laut Wasem ein "konservativ" geschätztes Markvolumen von 3,3 Milliarden Euro pro Jahr, errechnet anhand der Endverbraucherpreise Deutschland. Diese Zahl hat den Gesundheitsökonomen überrascht, er hätte auf etwa zwei Milliarden gesetzt, so Wasem.

Der komplexe Markt, zu dem Heilpflanzenanbauer, Naturheilmittelhersteller und Beschäftigte in Reformhäusern und Drogeriemärkten ebenso gehören wie ambulant tätige Ärzte, Heilpraktiker, Apothekenpersonal und der pharmazeutische Großhandel, sichert - direkt oder indirekt - mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

"Die Naturheilmittelbranche ist ein dickes Brett", zog Dr. Traugott Ullrich, Mitglied der Geschäftsführung Dr. Willmar Schwabe, ein ökonomisches Fazit. Dieser Bedeutung der mittelständisch geprägten Branche müsse politisch Rechnung getragen werden, fordert Ullrich.

So fallen etwa mehr als ein Drittel des europäischen Marktes für pflanzliche Arzneimittel und fast ein Viertel des Weltmarktumsatzes mit Homöopathika auf Deutschland. Im Fokus der Kommunikation von Schwabe stünden Ärzte und Apotheker ebenso wie der Verbraucher; alle drei Gruppen sollen mit nutzenorientierten Informationen erreicht werden, so Ullrich. (jup)

Quelle: Pressekonferenz Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG, "Naturheilmittel: Vom Hidden Champion zum Weltmarktführer", 18.02.2014, Berlin

[19.02.2014, 23:43:31]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Das wäre wirklich oberpeinlich...
wenn Sie, Herr Dr. Joachim Hartinger, doch tatsächlich jener bei yasni® aufgeführte Dr. Joachim Hartinger, 50 Jahre, Diplom-Biologe und Mitarbeiter @ THC Pharm GmbH, 65795 Hattersheim, wären? Eine Firma, die sich rein zufälligerweise auf Herstellung und Vertrieb von Cannabis-Produkten spezialisiert hat?

Nach ihren Ausführungen hätte Cannabis eine derartig breite medizinisch-therapeutische Indikation für alle möglichen Imponderabilien, dass man es eigentlich umsatzsteigernd und gewinnbringend ins Trinkwasser einleiten sollte?

Aber stattdessen uns Kolleginnen und Kollegen gegenüber zu behaupten "Ich fände es schön, wenn Ärzt/inn/en und ihre Vertreter/inn/en da einmal für ihre Klientel eintreten würden und ausnahmsweise nicht nur ihre eigenen Honorare im Blick hätten", ist schon eine ziemlich gewaltige Unverfrorenheit, finden Sie nicht auch?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
(hatte kürzlich erst 2 Regeressandrohungen wg. Dronabinol® bei zwei terminal krebskranken Patienten)
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[19.02.2014, 17:29:15]
Dr. Joachim Hartinger 
Wichtige Gruppe vergessen
Auch wenn viele Mediziner/innen es nicht gerne hören werden, ein wichtiges Naturmittel in dem Zusammenhang (mit 2013 einem laut Europ. Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht europaweit mindestens vergleichbarem Umsatzvolumen) wurde vergessen: Cannabis.
Tatsächlich nutzen es wohl mehrere hunderttausend Menschen (zusätzlich zu jenen, die es rekreational nutzen) studienunterstützt gegen Erkrankungen und Symptome, die teilweise nicht adäquat mit anderen Medikamenten behandelt werden können.
Ich erinnere da nur an Spastik (trotz Baclophen und vieler anderer GABA-Agonisten oder Propiverin und vieler anderer) bei MS- und Querschnittpatient/inn/en (zu denen ich gehöre), Appetitanregung (nicht nur bei AIDS-Patienten), Antiemetikum (trotz Ondansetron und anderer Setrone), Glaukom (trotz Ranibizumab), Fibromyalgie und Schmerzen überhaupt, Erektions- (trotz leicht erhältlicher und mittlerweile billiger PDE-5-Hemmer) und Libidostörungen und nicht zuletzt PTSD, an der auch viele Bundeswehrsoldat/inn/en leiden. Alles Medikamente, die die Krankenkasse bezahlt und auf die kein Gefängnis steht.
Beachtenswert finde ich in dem Zusammenhang, dass für Kassenpatient/inn/en das Dronabinol-haltige Medikament Sativex (geschweige denn die Rezeptursubstanz) auf Betreiben des IQWiG nicht übernommen wird.
Ich fände es schön, wenn Ärzt/inn/en und ihre Vertreter/inn/en da einmal für ihre Klientel eintreten würden und ausnahmsweise nicht nur ihre eigenen Honorare im Blick hätten. zum Beitrag »

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