Ärzte Zeitung, 07.01.2014

Kommentar

(Alb-)Traum Tarifeinheit

Von Christiane Badenberg

Die große Koalition wird viele Probleme lösen müssen. Da stellt sich die Frage: Warum werden dann noch ohne Not Fässer aufgemacht, in denen zusätzlicher Sprengstoff lauert? Innenminister Thomas de Maizière hat bekräftigt, dass die Regierung eine Rückkehr zur Tarifeinheit anstrebt.

Die Regelung soll selbstverständlich verfassungskonform sein. Wie sie genau aussehen soll, dazu waren bis jetzt noch keine Vorschläge zu hören.

Aus gutem Grund: Die Spartengewerkschaften haben das Grundgesetz und die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts auf ihrer Seite.

Nüchtern betrachtet ist aber auch schwer nachvollziehbar, warum ihre Macht in die Schranken gewiesen werden muss. Ihre Zahl steigt nicht und die Hürden, neue zu gründen, sind hoch. Im internationalen Vergleich ist die Anzahl der Streiktage in Deutschland verschwindend gering.

Und Betriebe durch Ausgliederungen und Betriebsteilungen immer mehr zu zersplittern, war keine Idee von Gewerkschaftern. Unterschiedliches Vertragsrecht gehört in vielen Betrieben bereits zum Alltag. Damit müssen sich Arbeitnehmer abfinden.

Mit den Konsequenzen dann aber auch die Arbeitgeber. Die Koalition kann sich viel Arbeit und Ärger ersparen, in dem sie von diesem Thema die Finger lässt. Es gehört auch gar nicht in ihre Hände.

Lesen Sie dazu auch:
Gewerkschaften: Tarifeinheit und Grundgesetz sind schwer zu vereinbaren

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