Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

DMP

Was bedeutet es?

Ein Disease-Management-Programm (DMP) ist eine Organisationsform zur Behandlung von chronisch Kranken. Die Behandlung erfolgt strukturiert nach zuvor festgelegten, standardisierten Vorgaben. Ärzte, die ihre Patienten nach solchen Programmen behandeln wollen, verpflichten sich in Verträgen dazu. Die Verträge werden zwischen Vertretern von Kassenärztlichen Vereinigungen und/oder Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen geschlossen.

Für wen sind die Programme?

DMP gibt es in Deutschland für chronisch Kranke. Programme gibt es für Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, für Patientinnen mit Mamma-Ca, für Patienten mit Koronarer Herzkrankheit, für Patienten mit COPD und für Patienten mit Asthma bronchiale.

Derzeit sind keine weiteren DMP geplant. Es wird allerdings zusätzliche Module geben, etwa für Patienten mit Herzinsuffizienz oder Adipositas.

Die Teilnahme an einem DMP ist für Versicherte freiwillig, häufig werden ihnen von den Kassen Bonusmaßnahmen, zum Beispiel der Erlass der Praxisgebühr, angeboten. Nach dem GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz (WSG) müssen die Krankenkassen künftig ihren Versicherten, die an einem DMP teilnehmen, einen besonderen Tarif anbieten.

Ärzte, die ihre Patienten in Chroniker-Programme einschreiben wollen, müssen spezielle Schulungen und Fortbildungskurse besuchen. Sie übernehmen die Koordination und stimmen die Behandlung mit Fachärzten, Klinikärzten und anderen Therapeuten ab. Ärzte übernehmen auch die Dokumentation der im DMP erhobenen Daten. Sie bekommen in der Regel 25 Euro für die Erstdokumentation und 15 Euro für jede Folgedokumentation.

Ein Anreiz für die Kassen, möglichst viele ihrer Versicherten in ein DMP einzuschreiben, ist, dass sie für jeden Patienten zusätzlich Geld aus dem Risikostrukturausgleich (RSA) bekommen. Mit Einführung des Morbi-RSA 2009 sind die Vorteile für die Kassen allerdings nicht mehr so ausgeprägt wie zuvor.

Wo steht es?

Die DMP sind im Paragraf 137 f des SGB V geregelt. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Rechtsgrundlagen zur DMP-Umsetzung als Änderungsverordnungen zur Risikostrukturausgleichs-Verordnung (RSAV) festgelegt. Grundlage ist, auf Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), seit 2004 der Paragraf 91 SGB V.

Was ist das Ziel?

Mit den Disease-Management-Programmen will der Gesetzgeber die Versorgung von chronisch Kranken verbessern und mittelfristig die Behandlungskosten senken. In Deutschland gelten etwa 20 Prozent der GKV-Versicherten als chronisch krank. Sie verursachen im Schnitt etwa 80 Prozent der gesamten Leistungsausgaben.

Wie sind Ärzte betroffen?

Ärzte, die bei den DMP mitmachen, verpflichten sich, die Behandlung ihrer Patienten nach den jeweiligen Leitlinien auszurichten.

Wann wurden DMP eingeführt?

DMP wurden am 1. Januar 2002 mit dem "Gesetz zur Reform des Risikostrukturausgleichs in der gesetzlichen Krankenversicherung" eingeführt. Ab Januar 2003 wurden die ersten Anträge auf Zulassung von DMP in den einzelnen Regionen beim Bundesversicherungsamt gestellt.

Welche Vorteile gibt es?

Ärzte erhalten den zusätzlichen Aufwand, etwa durch Dokumentationen (die allerdings inzwischen erheblich erleichtert worden sind), vergütet. Erste Evaluationen zeigen, dass sich Ärzte stärker an aktuellen Leitlinien orientieren, die Arzneimitteltherapie iuntensiviert wird, Patienten sich besser über ihre Krankheit informiert und beraten fühlen und dass teilweise die Hospitalisierungsrate sinkt (zum Beispiel bei Diabetes in DMP der AOK).

Welche Nachteile haben DMP?

Die anfängliche Kritik an sogenannter Kochbuch-Medizin ist weitgehend verstummt. Der zunächst kritisierte bürokratische Aufwand ist vom Gesetzgeber und den Vertragspartnern deutlich reduziert worden. Ob es aber wirklich gelingt, durchgängig für alle DMP mit hoher Evidenz nachzuweisen, dass strukturierte Behandlungsprogramme einen zusätzlichen Patientennutzen bewirken und gesundheitsökonimisch effizient sind, ist fraglich. Evaluationen mit RCT sind in Deutschland nicht möglich, die Studien auf jeden Fall langwierig und aufwendig.

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