Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Integrierte Versorgung

Was bedeutet der Begriff?

Unter integrierter Versorgung (IV) versteht man die fachübergreifende Versorgung von Patienten, für die Leistungsanbieter aus verschiedenen Sektoren abgestimmt zusammenarbeiten. Außer Haus- und Fachärzten können auch Krankenhäuser, Einrichtungen wie etwa Medizinische Versorgungszentren oder nicht-ärztliche Partner wie Apotheker daran teilnehmen. Voraussetzung für ein solches Leistungsangebot ist ein Vertragsabschluss zwischen einer oder mehreren Krankenkassen und den Leistungserbringern. Für Versicherte ist die Teilnahme freiwillig. Kassenärztliche Vereinigungen hat der Gesetzgeber als Vertragspartner nicht vorgesehen.

Wo ist es geregelt?

Geregelt wird die Integrierte Versorgung über die Paragrafen 140 a-d SGB V. Die gesetzlichen Grundlagen wurden erstmals mit dem Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000 geschaffen. Mit den Modifizierungen durch das Gesundheits-Modernisierungsgesetz (GMG) 2004 entwickelte die integrierte Versorgung ihre heutige Dynamik. Dazu hat beigetragen, dass keine Rahmenverträge mehr zwischen den Spitzenverbänden der Kassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung über Einzelheiten und Mindeststandards notwendig waren. Einzelvertragliche Absprachen können nun auch ohne die Spitzenverbände getroffen werden.

Was ist das Ziel?

Absicht des Gesetzgebers war es, die bis vor einigen Jahren stark von einander abgeschotteten Versorgungssektoren ambulant, stationär und Reha stärker zu verzahnen. Die fehlende Abstimmung der Leistungserbringer untereinander führte zum Teil zu einem Qualitätsverlust in der Behandlung. In der integrierten Versorgung kann der Patient sich durch das Gesundheitswesen von seinen Ärzten lotsen lassen und muss sich nicht selbst um die Behandlung kümmern. Die Krankenkassen bestehen bei den Vertragsabschlüssen in aller Regel auf eine Behandlung nach Leitlinien und auf Gewährleistungszusagen. Die teilnehmenden Ärzte verpflichten sich zu regelmäßigen Qualitätszirkeln.

Wie wird vergütet?

Die Honorierung der Leistungen wird durch die Vertragspartner ausgehandelt. Da der Gesetzgeber für Integrationsverträge den Grundsatz der Beitragssatzstabilität für Krankenkassen gelockert hat, können diese die Leistungen zum Teil besser vergüten als in der Regelversorgung. Hinzu kommt, dass das ärztliche Honorar aus IV-Verträgen nicht unter die Budgetierung fällt. Das Geld für die IV-Versorgung ziehen Kassen bis einschließlich 2008 in Höhe von bis zu einem Prozent von der Gesamtvergütung der KV und von den Rechnungen der Krankenkassen ab (Anschubfinanzierung).

Wer profitiert, wer hat Nachteile?

Die IV-Verträge werden durch einen Abzug von der Regelversorgung finanziert. Von den Leistungserbringern und den verschiedenen Sektoren profitieren also diejenigen, die viele IV-Verträge vereinbaren. Wer keine vereinbart, wird durch den Ein-Prozent-Abzug belastet. Für die Niedergelassenen gibt es aber einen weiteren Nachteil: Wenn das Honorarvolumen der IV-Verträge die Anschubfinanzierung übersteigt, kann die Gesamtvergütung der niedergelassenen Ärzte, nicht aber das Honorar der Kliniken weiter gekürzt werden. Über diesen weiteren Abzug müssen sich Kassen und KV, wenn nötig mit Hilfe des Schiedsamtes, verständigen.

Wie werden IV-Verträge angenommen?

Bis zum 30. September 2007 wurden 4553 IV-Verträge in Deutschland vereinbart. Sie haben ein Vergütungsvolumen von 704 Millionen Euro und erreichen 5,3 Millionen Versicherte. Die meisten Verträge hat es in Nordrhein (614) und Hessen (484) gegeben. Hessen weist zudem mit 119 Millionen Euro das höchste Vergütungsvolumen auf. Bei 1110 Verträgen sind Niedergelassene direkte Vertragspartner, in 829 Verträgen Kliniken und in 876 Fällen beide Seiten. Selten ist die Kombination, dass niedergelassene Ärzte und Kliniken direkte Vertragspartner sind. Einen Rückschluss auf die in der Versorgungskette kooperierenden Leistungserbringer lassen diese Zahlen nicht zu. So werden Niedergelassene häufig vom einzigen Vertragspartner Klinik als Partner involviert. An mehr als der Hälfte der Verträge sind mehrere Kassen beteiligt.

Seit 2009 ist die Anschubfinanzierung ausgelaufen. Für nicht wirtschaftliche Verträge zur Integrierten Versorgung war dies das Ende. Der Abschluss neuer Verträge ist generell ins Stocken geraten.

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