Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

MVZ

Was sind Medizinische Versorgungszentren?

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen, in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen Patienten gemeinsam versorgen. Die Ärzte können freiberuflich oder angestellt arbeiten. MVZ können von Ärzten, Kliniken, Reha-Einrichtungen oder Apothekern gegründet werden, müssen jedoch unter ärztlicher Leitung stehen. Im Unterschied zu Gemeinschaftspraxen können MVZ in allen Gesellschaftsformen organisiert sein. Durchgesetzt haben sich Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnerschaft und GmbH.

Wo steht es im Gesetz?

MVZ wurden mit der Gesundheitsreform 2004 eingeführt. Die Voraussetzungen sind im Paragraf 95 Absatz 1 SGB V geregelt. Durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz ist seit 2007 genauer festgelegt, wann eine Einrichtung das Kriterium "fachübergreifend" erfüllt. Die Ärzte müssen dazu verschiedenen Fachgruppen oder Schwerpunkten angehören und dürfen nicht alle aus dem hausärztlichen oder dem psychotherapeutischen Sektor kommen. Ausdrücklich erlaubt ist jedoch, dass nur hausärztliche und fachärztliche Internisten mitwirken.

Was ist das Ziel?

MVZ sollen den Patienten eine "Versorgung aus einer Hand" anbieten. Von der Zusammenarbeit der Ärzte werden Effizienz- und Qualitätssteigerungen erwartet. An der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sollen MVZ die Übergänge zwischen den Sektoren verbessern. Sie spielen deshalb bei Konzepten der Integrierten Versorgung eine wichtige Rolle. Mit der Zulassung von angestellten Ärzten wollte der Gesetzgeber zudem Hürden bei der Teilnahme an der ambulanten Versorgung abbauen.

Welche Vorteile gibt es?

Patienten profitieren von kurzen Wegen, im Idealfall auch von der Abstimmung zwischen den Ärzten, die an einer fachübergreifenden Behandlung mitwirken. Ärzte schätzen die Möglichkeit, sich bei einer Behandlung schnell mit Kollegen rückzukoppeln. Durch die gemeinsame Nutzung von Geräten und Personal lassen sich Kosten sparen. Mitunter winken auch höhere Einnahmen, denn zumindest größere MVZ sind für die Krankenkassen attraktive Vertragspartner bei Sonderverträgen. Jungen Ärzten erleichtert die Anstellung in einem MVZ den Einstieg in die ambulante Versorgung, weil das Unternehmerrisiko entfällt, das mit einer Praxisgründung einhergeht. Durch Arbeitsteilung werden zudem flexiblere Arbeitszeiten möglich. Das kommt Ärzten mit familiären Verpflichtungen entgegen. Ältere Ärzte können ihren Praxissitz an ein MVZ veräußern und so ihre Altersvorsorge verbessern. Krankenhäuserhaben die Möglichkeit, prä- und poststationäre Leistungen im MVZ ambulant vornehmen zu lassen. Unter dem Druck der DRG senkt das die Kosten.

Welche Nachteile gibt es?

Ein Zusammenschluss in einem MVZ hat für Vertragsärzte eine hohe Verbindlichkeit. Wer seinen Vertragsarztsitz in ein MVZ einbringt, riskiert, dass er ihn verliert. Denn der Sitz geht an das MVZ über und ist nicht mehr an die Person des Arztes gebunden. Ein weiterer Grund, der Vertragsärzte von der MVZ-Gründung abhält, ist die Abrechnung: Alle MVZ-Ärzte rechnen wie in einer Gemeinschaftspraxis gemeinsam ab. Die Gewinnverteilung muss klar geregelt sein. Aus versorgungspolitischer Sicht besteht zudem die Befürchtung, dass MVZ Löcher in die wohnortnahe Versorgung reißen, weil sie viele Ärzte an einer Stelle konzentrieren.

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Etwa 5000 Ärzte arbeiten in gut 1000 MVZ. Zwei Drittel sind Angestellte. Überwiegend sind Vertragsärzte Träger von MVZ, allerdings entwickelt sich die Zahl der Klinik-MVZ dynamischer. Die meisten Versorgungszentren gibt es in Berlin und Bayern. Die ganz überwiegende zahl ist aus Gemeinschaftspraxen oder Praxisgemeinschaften entstanden. Komplexe MVZ, die viele Fachgruppen vereinen, sind selten. Obwohl MVZ absehbar nur in Ausnahmeregionen eine Versorgungsrelevanz haben, wird die Entwicklung seit einiger Zeit heftig kritisiert. Befürchtet wird etwa von der Bundesärztekammer eine Ökonomisierung, Kommerzialisierung und Fremdbestimmung der Medizin durch gewinnorientierte Konzerne, die als Außenseiter in die ambulante Medizin eindringen. Diese ideologische Betrachtungsweise lässt sich durch Daten aus der Versorgungswirklichkeit nicht bestätigen.

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