Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Palliativmedizin

Was bedeutet sie?

Palliativmedizin ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein "Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit den Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen".

Palliativmedizin hilft - "durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, gewissenhafte Einschätzung und Behandlung der Patienten bei Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art."

Ziel der Palliativmedizin ist es nicht, das Leben um jeden Preis zu verlängern. Es geht vielmehr darum, dieses Leben für eine - oft nur noch kurze Dauer - lebenswert und ertragbar zu gestalten. Erfahrungen mit Palliativmedizin in Deutschland gibt es seit 1983. Damals wurde die erste Palliativstation in der Chirurgischen Klinik der Universität Köln eröffnet.

Seitdem hat es eine rasante Entwicklung gegeben. So hat sich zum Beispiel die Zahl der ambulanten Hospizdienste nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) bundesweit von 500 (1998) auf 1300 im Jahr 2007 erhöht. Von einer flächendeckenden Versorgung kann aber insbesondere im ambulanten Bereich noch keine Rede sein.

Was steht im Gesetz?

Bisher ist Palliativmedizin in Paragraf 39a SGB V (stationäre und ambulante Hospizleistungen) verankert. Auch auf Basis der Integrierten Versorgung (Paragraf 140a , SGBV) gibt es inzwischen Verträge mit dem Ziel, Sterbenskranken eine bessere Versorgung zu ermöglichen.

Mit dem GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz hat der Gesetzgeber die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SGB V, Paragraf 37 b und 132 d) neu eingeführt. Danach haben GKV-Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei zugleich begrenzten Lebenserwartung Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung - und zwar dann, wenn "eine besonders aufwändige Versorgung" benötigt wird. Die Leistung ist von einem Vertragsarzt oder Krankenhausarzt zu verordnen.

Sie wird durch so genannte Palliative Care Teams (PTC) gesichert. Alle Regelungen gelten auch für GKV-Versicherte in stationären Pflegeeinrichtungen. Über die Versorgung einschließlich Vergütung und Abrechnung schließen die gesetzlichen Krankenkassen Verträge mit Leistungserbringern ab.

Was ist das Ziel?

Das Gesetz zielt darauf ab, die Betreuung von Schwerstkranken möglichst in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung bis zum Tod zu ermöglichen. Das soll mit Hilfe hochspezialisierter Palliative-Care-Teams geschehen.

Was bedeutet es für Haus- und Fachärzte?

Niedergelassene Ärzte haben eine Schlüsselrolle in der ambulanten Palliativversorgung. Sie koordinieren die Basisversorgung und verordnen die Arbeit der Palliative Care Teams. Auch eine Mitarbeit in den spezialisierten Teams ist bei entsprechender palliativmedizinischer Qualifikation möglich.

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Das im Reformgesetz vorgesehene spezialisierte ambulante Konzept dürfte der Palliativversorgung einen großen Schub geben. Die Arbeit der Palliative-Care-Teams wird von den Kassen mit Honorar vergütet, das nicht Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung ist.

Immer noch unbefriedigend bleibt allerdings die Vergütung im Bereich der allgemeinen Palliativversorgung. Auch im neuen ab 2008 geltenden EBM werde der ambulanten Basisversorgung keine angemessene Bedeutung geschenkt, kritisiert die DGP.

Die Realisierung des mit dem WSG geschaffenen Leistungsanspruchs betroffener GKV-Patienten war allerdings im Bundesausschuss und durch die Krankenkassen lange Zeit zögerlich. Erst im Laufe des Jahres 2009 sind die vertraglichen Bedingungen weitgehend geklärt. Der Aufbau einer ambulanten Leistungsstruktur hat nun begonnen.

Wo gibt´s mehr Infos?

Weitere Infos unter www.aerztezeitung.de. Außerdem: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: www.dgpalliativmedizin.de

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