Donnerstag, 30. Juli 2015
Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Rabattverträge

Was bedeuten Rabatte?

Unter Rabatten versteht man Preisabschläge, die Krankenkassen - oder deren Verbände - mit Arzneimittelherstellern über die gesetzlich vorgegebenen Abschläge hinaus vereinbaren. Die Rabatte können dabei einzelne Wirkstoffe oder ganze Sortimente von Herstellern betreffen.

Im Verlauf des Jahres 2007 sind Rabatte zu einem der beherrschenden Themen in der Gesundheitspolitik geworden. Grund dafür ist eine eigentlich geringfügige Gesetzesänderung durch das GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz. Wenn ein Rabattvertrag existiert, sind Apotheker seit dem 1. April 2007 verpflichtet, bei wirkstoffgleichen Präparaten das Arzneimittel abzugeben, für das ein Preisnachlass vereinbart wurde. Diese Regelung hat innerhalb weniger Monate zur Auflage von über 7500 Rabattverträgen geführt (Stand: Dezember 2007). Über 60 Generika-Hersteller sind inzwischen daran beteiligt, mehr als 21 000 Handelsformen sind von Rabatten erfasst.

Um Ärzte einzubinden, hat der Gesetzgeber Anreize geschaffen, um das Verordnungsverhalten von Niedergelassenen zu steuern. Dazu gehört beispielsweise, dass eine Verordnung nicht von der Bonus-Malus-Regelung erfasst wird, wenn dabei eine rabattierte Arznei abgegeben wird. Die Verordnung eines Rabatt-Präparats galt somit per se als wirtschaftlich.

Wie bewerten Kassen das Instrument?

Grundsätzlich kann zwischen zwei Typen von Rabattverträgen unterschieden werden. Der eine Typ sind Sortimentsverträge. Dabei wird das gesamte Sortiment (oder eines wesentlichenTeils) einer oder mehrerer Hersteller mit einem vereinbarten Abschlag unter Vertrag genommen. Für verordnende Ärzte und für Apotheker sind solche Verträge tendenziell übersichtlich und einfach zu handhaben. Der Nachteil: Sie schöpfen die Rabattpotenziale nicht optimal aus; ferner gibt es erhebliche wettbewerbsrechtliche Probleme. Sortimentsverträge sind bislang überwiegend von Ersatzkassen abgeschlossen worden.

Der zweite Typ ist die Ausschreibung von wirkstioffbezogenen Verträgen. Diesen für alle Beteiligten zunächst mühsamen Weg hat die AOK Baden-Württemberg federführend für das gesamnte AOK-System beschritten. Hierbei bekommen die verschiedensten Anbieter nach den jeweils günstigsten Angeboten den Zuschlag. Der Rabatt wird optimiert, wettbewerbsrechtlich entstehen weniger Probleme, weil im Prinzip jeder Hersteller eine Chance hat. Allerdings gab es teils erhebliche Anlaufprobleme, die aus mangelnder Lieferfähigkeit der oft kleinen Hersteller resultierte.

|
Topics
Schlagworte
ABC des Gesundheitswesens (40)
Organisationen
AOK (6281)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Korruptionsgesetz: Ärzte sezieren Kabinettsentwurf

Das Bundeskabinett hat das Korruptionsgesetz auf den Weg gebracht. Ärzteverbände, Industrie und Opposition haben immernoch einiges daran auszusetzen. mehr »

Neue Statistik: Generation 65+ ist immer öfter noch erwerbstätig

Die Zahl der erwerbstätigen 65- bis 69-Jährigen steigt - im vergangenen Jahr waren es 14 Prozent. Doch die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes geben nicht nur einen Einblick in das Erwerbsleben der "Generation Woodstock". Sie zeigen auch: Ältere Männer gehen häufiger zum Arzt als ihre Altersgenossinnen. mehr »

Umweltschutz: Innovationen rücken Arzneien im Abwasser auf die Pelle

Im Sinne einer "nachhaltigen Pharmazie" fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Projekte, die für weniger Rückstände von Arzneimitteln in Klinik- und anderen Abwässern sorgen sollen. Erfolgversprechende Ansätze gibt es bereits. mehr »