Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Selbstmedikation

Was bedeutet sie für Ärzte?

Selbstmedikation (SM) mit Arzneimitteln ist heute eine von Ärzten und von Gesundheitspolitikern anerkannte Möglichkeit, dass Patienten bei geringfügigen Krankheiten selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Auf Basis eigener Erfahrung und/oder nach Beratung des Apothekers können sie sich für rezeptfreie Arzneien entscheiden und bezahlen sie aus eigener Tasche. Sie entlasten das Solidarsystem.

Zugelassen zur SM sind rezeptfreie Arzneimittel aus Apotheken sowie freiverkäufliche Arzneimittel aus Drogerien und Supermärkten. Nur noch ein kleiner Teil rezeptfreier Arzneimittel wird von Ärzten zulasten der Kassen verordnet. Seit Inkrafttreten des Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetzes 2004 ist dies nur noch in Ausnahmefällen möglich, die der Bundesausschuss aufgelistet hat (OTC-Ausnahmeliste). Hier gilt, dass rezeptfreie Arzneien bei schweren Krankheiten eingesetzt werden. Weiter gibt es die Möglichkeit, rezeptfreie Arzneien auf dem grünen Rezept zu verordnen. Dies hat für den Patienten empfehlenden Charakter. Das grüne Rezept löst keine Erstattungspflicht der Krankenkassen aus.

Welche Risiken gibt es?

Generell werden Arzneimittel erst nach vielen Jahren des nachgewiesenermaßen sicheren Einsatzes aus der Verschreibungspflicht entlassen. Festgelegt wird dies in einer Rechtsverordnung. Der letzte spektakuläre Fall, bei dem ein Arzneimittel - es war das Schmerzmittel Metamizol - wegen seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen wieder unter die Rezeptpflicht gestellt wurde, liegt inzwischen mehr als 25 Jahre zurück.

Wie teuer ist die Selbstmedikation?

Im Durchschnitt kostet die Packung eines rezeptfreien Arzneimittels 8,03 Euro. Noch etwas niedriger liegt der Durchschnittspreis bei der Selbstmedikation in Apotheken. Der Preis freiverkäuflicher Arzneimittel in Drogerien und Verbrauchermärkten liegt mit 3,34 Euro deutlich darunter. Der Durchschnittpreis für Selbstmedikationsarzneimittel liegt damit unterhalb der Praxisgebühren und der Rezeptgebühren für verordnete Arzneimittel (mindestens fünf Euro je Packung). Das heißt: Für die Selbstmedikation gibt es keine sozialen Barrieren.

Dennoch ist die Selbstmedikation kein starker Wachstumsmarkt. Der Umsatz mit Selbstmedikations-Arzneimitteln in Apotheken stieg von 1999 bis 2006 nur um 12,7 Prozent auf 4,28 Milliarden Euro. Die verkaufte Menge war um 2,1 Prozent rückläufig - auf zuletzt 562 Packungen.

Daran hat auch die Gesundheitsreform von 2003 nichts geändert, nach der rezeptfreie Arzneimittel nur noch ausnahmsweise von den Kassen bezahlt werden. Die Pro-Kopf-Ausgaben für vom Arzt verordnete rezeptfreie Medikamente gingen um 15 Euro zurück, die Pro-Kopf-Ausgaben für Selbstmedikation stiegen nur um fünf Euro.

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