Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Teilgemeinschaftspraxen

Was ist das eigentlich?

Teilgemeinschaftspraxen (TGP) sind Zusammenschlüsse von Ärzten zur gemeinsamen Behandlung von Patienten. Dabei ist die Zusammenarbeit auf ein bestimmtes Leistungsspektrum beschränkt. Die beteiligten Ärzte arbeiten weiter in ihren Praxen. Die TGP muss keine eigenen Räume haben. Als so genannte "überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft" kann sie in einer oder mehreren der beteiligten Praxen oder MVZ angesiedelt werden. Ein Arzt kann an mehreren TGP mitwirken. Ausgeschlossen sind jedoch TGP mit Ärzten, die nur medizinisch-technische Leistungen auf Veranlassung der übrigen Mitglieder der TGP erbringen. Prinzipiell ist der TGP jede Gesellschaftsform erlaubt, die das ärztliche Berufsrecht vorsieht.

Wo ist es geregelt?

Die Regelung zur so genannten "Teil-Berufsausübungsgemeinschaft" wurde zuerst in der Musterberufsordnung für Ärzte (Paragraf 18) verankert. Dann stellte das neue Vertragsarztrecht fest: "Die gemeinsame Berufsausübung, bezogen auf einzelne Leistungen, ist zulässig" (Artikel 5 Nr. 11, Vertragsarztrechtsänderungsgesetz). Das erforderte Änderungen der Zulassungsverordnung und des Bundesmantelvertrags (BMV) für Ärzte. In Paragraf 15 a Abs. 5 BMV heißt es für die kassenärztliche Tätigkeit, TGP seien "nur zulässig, wenn das zeitlich begrenzte Zusammenwirken der Ärzte erforderlich ist, um Patienten zu versorgen, die einer gemeinschaftlichen Versorgung der der Teilberufsausübungsgemeinschaft angehörenden Ärzte bedürfen ... ."

Was ist das Ziel?

Teilgemeinschaftspraxen ermöglichen eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten bei weiter bestehender Unabhängigkeit in der eigenen Praxis. Das soll es Ärzten erleichtern, verbindliche Kooperationen einzugehen. Die Patienten sollen davon profitieren, indem verschiedene Ärzte ihre Behandlung aufeinander abstimmen. Das kann helfen, Doppeluntersuchungen oder Wartezeiten auf einen Termin beim Spezialisten zu vermeiden. Beispiele: Ein Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Ernährungsmedizin und ein Diabetologe kooperieren bei der Behandlung von Diabetikern, oder ein MVZ kooperiert mit Schmerztherapeuten und einem Onkologen zur Behandlung von Krebspatienten.

Welche Vorteile gibt es?

Ärzte können in einer TGP für ein bestimmtes Behandlungsspektrum kooperieren, ohne ihre unternehmerische Unabhängigkeit in der eigenen Praxis aufzugeben. Das ermöglicht es dem einzelnen Arzt, seine Tätigkeit auszubauen - eine Option die vor allem bei privatärztlichen Tätigkeiten und IGeL Perspektiven bietet. Im kassenärztlichen Feld dürfte die Möglichkeit zum Zusammenschluss mit einem MVZ interessant sein. Das kann Ärzten in Einzelpraxen die Tür zu Sonderverträgen wie zum Beispiel der Integrierten Versorgung öffnen. In einer TGP können zudem Geräte, Personal und Räume für ein festgelegtes Behandlungsspektrum gemeinsam genutzt werden. Das senkt Kosten. Schließlich wird erwartet, dass durch die Koordination die Qualität der Behandlung steigt.

Welche Nachteile gibt es?

Die Regelungen des Bundesmantelvertrags gelten als Hürde für TGP im kassenärztlichen Feld. Denn die Kooperation muss unter anderem mit gemeinsamen Sprechstunden einhergehen. Aber auch bei privatärztlichen TGP bleibt zu beachten, dass die so genannte gesamtschuldnerische Haftung gilt. Das heißt, dass jeder Arzt für Fehler von Kollegen in der TGP zur Verantwortung gezogen werden kann. Deshalb müssen bei der Gründung einer TGP klare Regelungen zur Haftung getroffen werden.

Sehr kritisch ist zudem die Gewinnverteilung. Entspricht sie nicht dem Verhältnis der erbrachten Leistungen, sieht die Musterberufsordnung darin eine verbotene "Zuweisung gegen Entgelt". Aber auch viele Ärztekammern haben ihre Berufsordnungen geändert, um zu verhindern, dass TGP nur als Vehikel dazu benutzt werden, das Verbot der Zuweisung gegen Entgelt zu umgehen.

Wo gibt´s mehr Infos?

Im Internet: www.kbv.de/rechtsquellen/2310.html

Die Regelungen im Detail stehen in den Berufsordnungen der Ärztekammern.

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