Ärzte Zeitung, 03.12.2014

Traumjob

Morgens Landärztin, abends Bäuerin

Für Medizinstudentin Lena Teuwsen stellt sich die Frage gar nicht, ob sie als fertige Ärztin aufs Land möchte. Denn sie will später einmal den Bauernhof ihres Onkels in der Lüneburger Heide übernehmen.

Von Marion Lisson

Morgens Landärztin, abends Bäuerin

Lena Teuwsen zieht es in die Natur.

© privat

HEIDELBERG. Eine Landarztpraxis im Grünen und einen Bauernhof im Nebenerwerb: Lena Teuwsen will beides und bereitet sich dementsprechend vor. Die 22-Jährige studiert nicht nur engagiert im 9. Semester Medizin.

Seit fünf Semestern schultert sie auch noch ein Zweitstudium: Agrarwissenschaften.

Die Studentin aus Halle hat gerade in Heidelberg ein Stipendium der Manfred Lautenschläger-Stiftung überreicht bekommen.

Mit ihrem Sonderpreis im Bereich Hausarztmedizin erhält sie insgesamt nicht nur 3000 Euro, sondern auch die Gelegenheit, im Medical Excellence-Netzwerk nützliche Kontakte für das weitere Berufsleben knüpfen zu können.

Famulatur in Südafrika

Pragmatisch, kommunikativ und freundlich tritt sie im Interview auf. Wenn Lena Teuwsen vom Landleben schwärmt, dann weiß sie, wovon sie spricht.

Die Medizinstudentin ist in der Natur aufgewachsen - in einem Forsthaus außerhalb des nordhessischen Dorfes Reinhardshagen.

In eigener Praxis und auf dem Land zu leben und zu arbeiten - das ist ihr Traum: Wie sehr sie die Natur, die frische Luft und die Tiere liebt, wird im Gespräch schnell deutlich.

Sie strahlt, während sie von Wochenenden zu Hause und Ausritten mit ihrem Islandpferd und den zwei Hunden erzählt.

"Mein Onkel ist Landwirt in der Lüneburger Heide. Seinen Hof möchte ich gerne später einmal hobbymäßig übernehmen", verrät sie. Fachwissen zur Landwirtschaft und ein Bachelorabschluss schaden da sicherlich nicht.

Ohne Zweifel: Lena Teuwsen überlässt nichts dem Zufall, erst recht nicht ihre Zukunft. Ihre Patienten auf dem Lande werden es sicherlich zu schätzen wissen, eine Fachfrau für fast alle Fragen vor sich zu haben.

"Ich finde die Allgemeinmedizin super spannend. Das Fach ist Basis für alle Bereiche", erzählt sie. Die dynamische Judo-Kämpferin mit braunem Gürtel hat bereits in einige Bereiche der Medizin reinschnuppern können.

Bei einer wie sie betont "hervorragenden Famulatur" im Stanger Hospital bei Durban in Südafrika in der Notaufnahme und Gynäkologie durfte sie zum Beispiel Punktionen vornehmen, Wunden nähen und bei Entbindungen assistieren.

Überhaupt habe sie immer außerordentliches Glück bei ihren Praktika und Famulaturen gehabt, betont Teuwsen. Besonders gerne berichtet die zukünftige Doktorin der Medizin von ihrer Zeit in einer Gemeinschaftspraxis in Hannoversch Münden.

Alptraum Klinikkeller

"Ich hatte drei tolle Hausärzte, Lehrer und Mentoren", schwärmt sie. "Nach einer Zeit durfte ich selbst Patienten befragen, untersuchen und behandeln - natürlich mit dem jeweiligen Arzt im Hintergrund."

Hier habe sie auch gelernt, wie man selbst in nur drei Minuten Zuwendung dem Patienten das Gefühl geben könne, gut behandelt worden zu sein. "Sich dem Patienten zuwenden und zuhören: das kann ich gut", so die Studentin selbstbewusst.

Sie freue sich bereits darauf, als Landärztin mit Menschen jeglichen Alters in Kontakt zu kommen. "Ein Leben in der Stadt wäre wohl auf Dauer nicht mein Ding", gibt Teuwsen zu. Ihr beruflicher Albtraum: Im Klinikkeller - ohne Tageslicht und frische Luft - im Fachbereich Radiologie zu arbeiten.

Vorfreude auf Hausbesuche

Sogar für die notwendigen Hausbesuche hat die künftige Landärztin schon jetzt etwas übrig. "Nirgends lernt man mehr über den Patienten als dabei. Geplante Hausbesuche sind für Patienten oft das Highlight der Woche.

Es wird rot im Kalender markiert, wenn "Herr oder Frau Doktor kommt." Diese Wertschätzung dem Arzt gegenüber gebe es besonders in der Allgemeinmedizin, glaubt die Studentin.

Ihre aktuelle Bilanz: Das Leben einer Hausärztin passe für sie perfekt. "Die Allgemeinmedizin ist das einzige Fach, wo mein Bauch sagt: Das macht dich glücklich."

Läuft alles nach Plan, wird sie wohl mit Sicherheit in ein paar Jahren in der Lüneburger Heide als medizinisch und agrarwissenschaftlich versierte Hausärztin Sprechstunde abhalten.

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