Ärzte Zeitung, 17.06.2015

Irlstorfer

Ärztemangel mit Geld nicht zu beheben

Neue Arbeitsorganisation und Aufgabenteilung fordert der CSU-Gesundheitspolitiker Erich Irlstorfer für Ärzte. Geld werde den Ärztemangel nicht lösen.

BERLIN. Die Aufwertung ärztlicher Kommunikationsleistungen sowie eine Neudefinition der Pflege sind nach Auffassung des CSU-Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer die wichtigsten gesundheitspolitischen Projekte der laufenden Wahlperiode.

Irlstorfer vertritt für die Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages den Schwerpunkt Vergütung.

Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" macht er deutlich, dass vorhandener oder sich abzeichnender Ärztemangel nicht über höhere Vergütungen ausgeglichen werden könne. Notwendig seien neue Strukturen, um Defizite zu kompensieren.

Eine Option sei es, für Ärzte Arbeitsmöglichkeiten in Kombination mit der bedeutender werdenden Pflege zu schaffen - etwa als Arzt im Pflegeheim. Die Kehrseite der Medaille sei aber, dass damit die freie Arztwahl von Pflegeheimbewohnern eingeschränkt werde.

Generell spricht sich Irlstorfer dafür aus, Kommunikationsleistungen von Ärzten zu Lasten von Technik auszubauen und besser zu vergüten. Das gelte insbesondere neue Leistungen in der Hospiz- und Palliativmedizin, aber auch in der Telemedizin.

Skeptisch gegenüber Substitution

Zunehmende Bedeutung erlangen seiner Auffassung nach medizinische Assistenzberufe. In der Frage der Delegation ärztlicher Leistungen dürfe die ärztliche Kompetenz nicht ausgehöhlt und die Verantwortung des Arztes nicht in Frage gestellt werden.

Das erfordere auch eine Differenzierung der Vergütung ärztlicher und nichtärztlicher Leistungen. Der Forderung nach einer Substitution ärztlicher Leistungen steht Irlstorfer skeptisch gegenüber.

Für die Reform der GOÄ sieht der CSU-Gesundheitspolitiker noch weiteren Zeitbedarf, um eine Lösung in Verhandlungen zwischen Bundesärztekammer, PKV und Beihilfe zu finden.

Eine Realisierung in dieser Legislaturperiode, wie sie die Bundesärztekammer vor wenigen Wochen auf dem Ärztetag versprochen hat, hält Irlstorfer für wünschenswert, aber nicht sicher.

An die Länder appelliert er, sich ihrer Rolle als Arbeitgeber bewusst zu sein und die GOÄ-Reform nicht allein fiskalisch zu betrachten. Er hält es für denkbar, dass für die Erstattung von Arzthonoraren Obergrenzen eingezogen werden. Die untere rote Linie markiere das Honorarniveau der GKV. (HL)

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