Ärzte Zeitung online, 19.01.2016

Kenntnisprüfung

Ausländische Ärzte schaffen Test oft nicht

HERNE. Bei den Kenntnisprüfungen für ausländische Ärzte fallen immer mehr Kandidaten durch, seit sich 2014 die Anforderungen verschärft haben.

Das berichtete Felix Pleschinger, der zuständige juristische Dezernent bei der Bezirksregierung Düsseldorf, bei einer Fachtagung in Herne.

Ein wesentlicher Grund sei die falsche Vorbereitung auf die Prüfung, die aus einer Patientenvorstellung und einem mündlich-praktischen Teil besteht, sagte Pleschinger.

"Oft sagen uns die Ärzte, dass sie keine Zeit hatten zu lernen, weil sie so viel arbeiten müssen."

Häufig nutzten die Antragsteller die Zeit vor der Prüfung nicht, um Einblicke in den Berufsalltag zu gewinnen, sondern sie begännen eine Weiterbildung - "obwohl sie nicht prüfungsrelevant ist".

Negativ wirkten sich oft auch Sprachdefizite aus, auch wenn Sprachkenntnisse nicht integraler Bestandteil dieser Prüfung sind.

2012 gab es bei der Bezirksregierung Düsseldorf 156 Kenntnisprüfungen, 2015 waren es 269. Bis September 2016 gebe es schon 200 Anmeldungen, so Pleschinger.

2015 sind rund 150 Prüflinge durchgefallen. Wichtigste Herkunftsregionen der antragstellenden Ärzte sind Syrien, Irak, Iran, GUS-Staaten und Ex-Jugoslawien. (iss)

[19.01.2016, 18:56:53]
Dr. Klaus Günterberg 
Das verwundert nicht. Die Sprache ist sicher die Kernkompetenz; es gibt aber noch viele andere Hürdenur die Sprache
Welche Chancen haben fremde Ärzte in Deutschland? Vorweg gesagt: Ich kenne Ärzte aus Russland, Polen, Rumänien, Iran und Palästina, die hier als Wissenschaftler und als praktizierende Ärzte eine hervorragende Arbeit leisten. Die meisten davon haben allerdings ganz oder teilweise hier studiert und sprechen und schreiben auch perfekt Deutsch.

Welche Hürden, vom Nachweis seines erfolgreichen Hochschulabschlusses und der formalen Berufserlaubnis einmal abgesehen, hat ein frisch zugewanderter Arzt hier, was fordern wir von uns Ärzten, was fordern wir von ihm?

Der Arzt muss unsere Sprache verstehen, sprechen und schreiben - ohne dies keine Diagnose, keine Beratung, kein Rezept, keine Verordnung, keine Bescheinigung, kein Befundbericht und kein Gutachten. Und keine Akzeptanz durch unsere Patienten. Er braucht ausreichende Kenntnisse unserer Medikamente - Irrtümer wären lebensgefährlich. Er muss unsere Heil- und Heilhilfsmittel kennen - ohne dies keine Therapie. Er muss mit der Medizintechnik umgehen können. Für viele ärztliche Tätigkeiten ist die Approbation nicht ausreichend, da bedarf der Arzt der Facharztanerkennung und oft auch noch zusätzlicher Qualifikation mit Prüfung und Genehmigung. Er braucht solide Kenntnisse unseres Gesundheitswesens und des Sozialrechts - ohne dies ist keine Niederlassung möglich. Als Niedergelassener braucht er Kenntnisse unseres Miet-, Arbeits-, Arbeitsschutz- und Versicherungsrechts, er braucht Bankverbindungen und muss wissen, wie unser Kredit- und Finanzwesen funktioniert. Er muss solide Kenntnisse von der Informatik haben - ohne Computer läuft in der Medizin heute nichts mehr. Als Fach- oder Krankenhausarzt hat er eine ständige Fortbildung (cme) nachzuweisen.

Diese Hürden sind nicht einfach zu nehmen. Und es sind diese Kenntnisse auch nicht in wenigen Monaten zu erwerben, das braucht Jahre. Auch dann, wenn der Hochschulabschluss eines fremden Arztes als unserem gleichwertig anerkannt wird, kann dieser Arzt noch lange nicht bei uns selbständig und/oder eigenverantwortlich arbeiten.
Wir sehen am Beispiel des Arztes, wie schwierig berufliche Integration sein kann. Und dass die Vorstellung, man könne zugewanderte Ärzte kurzfristig einsetzen oder man könne mit ihnen unseren Haus- und Facharztmangel beseitigen oder ihn wenigstens merkbar reduzieren, von der Realität weit entfernt ist.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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