Ärzte Zeitung, 14.03.2016

Ärzte aus dem Ausland

Kliniken hadern mit lahmer Bürokratie

Krankenhäuser in Deutschland stehen bei der Suche nach Ärzten aus dem Ausland im Wettbewerb mit anderen Ländern. Doch langwierige Anerkennungsverfahren bereiten vielen Personalchefs Kopfzerbrechen.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Angesichts des starken internationalen Wettbewerbs um qualifizierte Ärzte muss Deutschland mehr Werbung für sich machen.

Gleichzeitig müssen die Zugangsverfahren für Mediziner besser und schneller werden, sagte Dr. Carsten Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung bei der Bundesagentur für Arbeit, auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2016" in Köln.

"Die Anerkennungsverfahren dauern in Deutschland offensichtlich deutlich zu lange", sagte Klein. Hindernisse gebe es bei den Facharzt-Qualifikationen. "Die Facharztgebiete sind häufig nicht vergleichbar, deshalb werden die Kandidaten auf eine niedrigere Ebene zurückgestuft."

Nicht nur in Deutschland sei die Humanmedizin ein Mangelberuf, betonte er. Auch Länder wie Kanada, die USA oder Neuseeland hätten großen Bedarf. "Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Wettbewerb, den wir dringend mitgestalten müssen." Der Zustrom von Flüchtlingen bietet nach seiner Einschätzung nicht das Potenzial, Fachkräftemangel zu beheben.

Klima der Offenheit nötig

Im Jahr 2014 sind nach Angaben von Klein gerade einmal 2300 Akademiker aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland gekommen, darunter nur ein kleiner Anteil Ärzte. Um bei der Werbung um Fachkräfte erfolgreicher zu sein, brauche man ein Klima der Offenheit gegenüber ausländischen Mitarbeitern.

Außerdem sei es hilfreich, wenn sich die Krankenhäuser gezielt um ihre Integration kümmern, sagte Klein.

Angesichts des Nachwuchsmangels wirbt die Diakonie in Südwestfalen für ihre Krankenhäuser gezielt um ausländische Ärzte. "Wir müssen schnell sein und wir müssen ständig am Markt präsent sein, um zu zeigen, wer wir sind", skizzierte der Personaldirektor Dr. Jörn Baaske die Herausforderung.

Die Investition in die Gestaltung der Homepage und in auffällige Stellenanzeigen macht sich nach seinen Angaben bezahlt. "Wir bekommen viele Initiativbewerbungen und Angebote von Personalagenturen."

Wohnung und freies Essen inklusive

Die Bewerbungen werden von den Chefärzten gesichtet. Sind vielversprechende dabei, reagieren die Kliniken in der Regel prompt. "Der Faktor Schnelligkeit ist ein Muss, denn die Kandidaten haben meist mehrere Eisen im Feuer." Die Häuser vereinbaren mit den Ärzten Hospitationen, bei denen sie von Chef- oder Oberärzten begleitet werden. "Wir stellen ihnen eine Wohnung und freies Essen zur Verfügung", sagte Baaske.

Bislang hat sich der Einsatz gelohnt. Die vier Diakonie-Häuser haben zwei Jahre lang keine Honorarärzte gebraucht. Die Häuser haben zusammen 206 Vollzeitstellen für Ärzte, der Anteil ausländischer Ärzte beträgt 25 Prozent. Auch Baaske beklagte die bürokratischen Hindernisse.

So musste ein Arzt nach einem halben Jahr die Arbeit in einer Klinik aufgeben, weil ein Dokument von der Krim fehlte. "Ein Kandidat wartet seit einem Jahr auf die deutsche Approbation", berichtete er.

Die Vorab-Sichtung der Dokumente ist für das Unternehmen German Doctor Exchange ein wichtiger Bestandteil bei der Auswahl von Ärzten für die Arbeit in Deutschland.

Das 2012 gegründete Unternehmen, das sich auf die Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten aus den GUS-Staaten spezialisiert hat, ist ein Tochterunternehmen der Otto Benecke Stiftung und des IT-Dienstleisters Allgaier SE.

"Wir haben in zweieinhalb Jahren über 8500 Dokumentenpakete überprüft", sagte Geschäftsführer Swjatoslaw Aksamitowski. GDE wählt die Bewerber aus, bereitet sie auf die Arbeit in Deutschland vor und unterstützt sie bei der Integration. "Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass sie hier willkommen sind, sie aber keiner hier festbindet", schilderte er die Herausforderung.

Bei GDE haben sich nach Aksamitowskis Angaben bislang 8000 Ärzte beworben, rund 800 von ihnen wurden in Assessment-Centern auf Herz und Nieren geprüft.

Zurzeit arbeiten fast 60 der Ärzte an deutschen Kliniken. Die Kosten für die Betreuung der Mediziner teilen sich die Krankenhäuser und die ausländischen Ärzte. Wie hoch sie sind, wollte Aksamitowski nicht sagen.

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