Ärzte Zeitung, 20.05.2008

Paracelsus-Medaille für vier verdiente Mediziner

Sie haben über Jahrzehnte - zum Teil auf sehr unterschiedliche Weise - im deutschen Gesundheitswesen positive Akzente gesetzt: Siegmund Kalinski, Fritz Beske, Horst-Eberhard Richter und Heyo Eckel sind heute beim Deutschen Ärztetag in Ulm mit der höchsten Auszeichnung geehrt worden, die die deutsche Ärzteschaft zu vergeben hat.

Ausgezeichnet: Fritz Beske, Horst-Eberhard-Richter, Heyo Eckel, Siegmund Kalinski (von links).

Foto: Sven Bratulic

Dr. Siegmund Kalinski

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Engagiert sich stark in der Weiterbildung: Siegmund Kalinski.

Foto: ts

Der Allgemeinarzt und Psychotherapeut dürfte wohl allen Lesern der "Ärzte Zeitung" ein Begriff sein: Mehr als 1350 Kolumnen hat "Ihr Ironius" in der Tageszeitung für Ärzte in mehr als zwei Jahrzehnten geschrieben und ist mit seiner spitzen Feder zu einer Institution in der ärztlichen Publizistik hierzulande geworden.

Siegmund Kalinski, 1927 in Krakau geboren und in der Zeit des Nationalsozialismus als Jude knapp dem Tod entronnen, kam 1965 als Flüchtling nach einem kleinen Umweg über Österreich nach Deutschland. 1968 ließ er sich nieder und wurde in der Berufspolitik aktiv. Der heute 81-Jährige engagierte sich beim Berufsverband der praktischen Ärzte beim NAV, in der hessischen KV und in der Ärztekammer Hessen, wo er bis heute Mitglied im Präsidium ist. Auch in Lehre und Weiterbildung hat Kalinski sich engagiert, 50 Assistenten hat er zu Fachärzten weitergebildet.

1984 wurde er Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin in Frankfurt. Seiner alten Heimat fühlte er sich stets verbunden: Zusammen mit der "Ärzte Zeitung" initiierte er eine Sammlung für Polen, bei der Arzneien für etwa 60 Millionen Mark zusammen kamen. 1992 habilitierte er sich an der Universität Krakau. Die Kollegen aus der Redaktion freuen sich mit dem Geehrten über die Auszeichnung. (ger)

Professor Fritz Beske

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Spricht Wahrheiten aus, die Politiker ungern hören: Fritz Beske.

Foto: IGSF

Seine Name steht für eine klare, unabhängige Analyse, die er auch mit 85 Jahren in freier Rede vertritt: Professor Fritz Beske. Erst wenn der Gesundheitsökonom aus Kiel eine Gesundheitsreform in seiner schnörkellosen Sprache analysiert, werden vielen vermeintlichen Experten die langfristigen Folgen der politischen Weichenstellungen deutlich. Unbequem sind seine Auswertungen oft für die Politik, für die Beske früher selbst als Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Sozialministerium tätig war. Zuvor hatte Beske in Kiel Medizin und anschließend in den USA Public Health studiert.

Es folgten Stationen bei der WHO und im Bundesgesundheitsrat. 1976 gründete er das Institut für Gesundheits-System-Forschung. In über 100 Ausgaben seiner Schriftenreihe, in Vorträgen und als Gastautor der "Ärzte Zeitung" legt Beske immer wieder den Finger in die Wunden der Gesundheitspolitik.

Dabei hat er mit Vorurteilen aufgeräumt und falsche Behauptungen widerlegt: Er hat die vermeintliche Kostenexplosion entschärft und die angeblich schlechte Qualität des deutschen Gesundheitswesens gerade gerückt. Vor allem aber sagt er klar, was die meisten Politiker scheuen: Dass die gesetzliche Krankenversicherung längst nicht alles bezahlen kann, was sich die Versicherten wünschen. (di)

Professor Horst-Eberhard Richter

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Aktiv engagiert in der Friedenspolitik: Horst-Eberhard Richter.

Foto: dpa

Der Gießener Psychoanalytiker Professor Horst-Eberhard Richter hat nicht nur durch seine Grundlagenforschung zur psychoanalytischen Familientherapie, seine psychosomatischen Untersuchungen sowie seine sozialphilosophischen Beiträge internationale Berühmtheit erlangt, sondern auch und vor allem durch sein friedenspolitisches Engagement.

Richter wurde am 28. April 1923 in Berlin geboren. Nach Hitlerjugend und Arbeitsdienst wird er 1942 in die Wehrmacht eingezogen und gerät zwei Jahre später in französische Gefangenschaft. Nach dem Krieg studiert Richter in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, promoviert 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. Dazwischen absolviert er am Berliner Psychoanalytischen Institut eine Ausbildung. 1962 übernimmt er einen der ersten deutschen Lehrstühle für Psychosomatik an der Universität Gießen, den er nahezu drei Jahrzehnte innehat. Nach seiner Emeritierung 1991 leitete er zehn Jahre lang das Siegmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main.

1982 gehörte HorstEberhard Richter zu den Gründungsmitgliedern der bundesdeutschen Sektion der internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), die 1985 den Friedensnobelpreis erhielten und deren Ehrenvorsitzender er heute ist. Innerhalb und außerhalb der IPPNW hat sich Richter stets für den Frieden und die Verständigung der Völker eingesetzt und ist dafür sowie für seine wissenschaftlichen Arbeiten vielfach ausgezeichnet worden. (Smi)

Professor Heyo Eckel

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Setzt sich unermüdlich für ärztliche Fortbildung ein: Heyo Eckel.

Foto: sbra

Der Radiologe Professor Heyo Eckel verband in seinem berufspolitischen Engagement in besonderer Weise seine medizinische Fachkenntnis mit der Gestaltung und dem Ausbau der ärztlichen Fortbildung und dem Einsatz für umweltmedizinische Projekte.

Eckel, 1935 in Berlin geboren, studierte in Tübingen, Mainz, Erlangen, Göttingen und Hannover. Seit 1981 Professor an der Georg-August-Universität in Göttingen, war er zuletzt Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende. Außer Forschung, Lehre und ärztlicher Tätigkeit engagierte er sich bereits in den 80er Jahren berufspolitisch und wurde 1990 Präsident der Ärztekammer Niedersachsen und damit automatisch auch für 16 Jahre Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer. Seit 2006 ist er Ehrenpräsident der niedersächsischen Kammer. Bis vor einem Jahr war er Vorsitzender des Deutschen Senats für Ärztliche Fortbildung.

In besonderer Weise hat sich Heyo Eckel für die Gesundheit der von der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl betroffenen Kinder in Belarus und der Ukraine eingesetzt. Die niedersächsische Stiftung "Kinder von Tschernobyl" erfüllt Eckel mit Leben: Mehrmals im Jahr bereist Eckel zusammen mit einer Gruppe engagierter Kollegen die vom Fallout besonders betroffenen Regionen, bildet dort Ärzte in Schilddrüsen-Diagnostik und -Therapie aus und entscheidet über die Verteilung von medizinischen Hilfsgütern. Mit dieser Arbeit unterstützt er belarussische und ukrainische Ärzte. (HL)

Paracelsus-Medaille

  • Die Paracelsus-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft.

  • Sie wird seit 1952 alljährlich auf dem Deutschen Ärztetag an zwei bis fünf Ärzte verliehen.

  • Mit der Medaille werden Ärzte für ihre Verdienste im Sinne des Arztes Paracelsus geehrt.

  • Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493 bis 1541) war Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph.
  • Erster Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft im Jahr 1952 ist der elsässische Arzt, Theologe und Philosoph Albert Schweitzer gewesen.

Lesen Sie dazu auch:
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