Ärzte Zeitung, 20.05.2008

Hoppe sieht Patienten-Arzt-Verhältnis gefährdet

Bundesärztekammerchef verlangt öffentliche Diskussion über das Thema Rationierung / Schmidt bleibt bei Honoraranpassung unverbindlich

ULM (vdb). Haus- und Fachärzte können sich im nächsten Jahr auf eine Honorarsteigerung freuen. Doch wie viel sie tatsächlich unter dem Strich bekommen werden, ließ Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auch gestern bei der Eröffnung des 111. Deutschen Ärztetages in Ulm völlig offen.

Nachdenkliche und angespannte Gesichter bei der Eröffnung des Ärztetages in Ulm: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (3.v.l.) und der Präsident der Bundesärztekammer Professor Jörg-Dietrich Hoppe (4.v.l.).

Fotos: sbra

Das kommende Jahr sei für die niedergelassenen Ärzte ein besonderes Jahr, weil die floatenden Punktwerte durch feste Honorare ersetzt werden. Zudem würden die Honorare der Kollegen in den neuen Bundesländern auf Westniveau angehoben, sagte Schmidt.

Und: Die steigende Morbidität werde finanziell künftig nicht mehr von den Ärzten zu tragen sein. Dafür sei es auch wichtig, den Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009 einzuführen, bekräftigte die Ministerin.

Dies ändere nichts an der Tatsache einer chronischen Unterfinanzierung des gesamten Systems, konterte Professor Jörg-Dietrich Hoppe. Man müsse den Bürgern klar machen, dass es bereits Rationierung gibt. Ein Thema, dass sich nach Ansicht des Präsidenten der Bundesärztekammer durchaus als Wahlkampfthema im nächsten Jahr eignen würde.

Déjà-vu von 2007: Gegner der Gesundheitskarte protestierten gestern vor dem Ulmer Congress Centrum.

Fotos: sbra

Grundsätzlich beklagte Hoppe eine immer stärkere Einschränkung der Selbstverwaltung. Sie sei ins Leben gerufen worden, um Versorgung zu gestalten und nicht zu regulieren und zu verwalten. Dabei sei im Laufe der Jahre die Individualität des Patienten-Arzt-Verhältnisses durch ein kollektivistisches Denken ersetzt worden. Klassisches Beispiel dieses kollektivistischen Denkens seien Disease-Management-Programme, die aus chronisch Kranken Programmteilnehmer machten.

Hoppe: "Das kann man dann sehr wohl als Planwirtschaft oder Staatsmedizin bezeichnen." Im übrigen werde sich dies durch die Festlegung des einheitlichen Beitragssatzes für die gesetzlich Krankenversicherung fortsetzen.

Der Ärztekammer-Präsident kritisierte dabei den vom Gesetzgeber geforderten Wettbewerb. Abgesehen davon, dass ein Wettbewerb zwischen Freiberuflern und profitorientierten Unternehmen den Freiberufler benachteilige, werde die Ökonomisierung des Systems noch stärker vorangetrieben.

Die Ministerin hatte zuvor eine Neuordnung der Klinikfinanzierung angekündigt. Dabei soll es zu einem schrittweisen Umstieg von der dualen zur monistischen Finanzierung kommen. In puncto Tarifabschlüsse kündigte sie eine anteilige Unterstützung der Kassen an. Darüber hinaus werde sie ein Förderprogramm für die Neu-Einstellung von Pflegekräften auflegen.

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