Ärzte Zeitung, 26.05.2008

Förderkonzept für angehende Hausärzte

Ärztetag will mehr Studenten zur Weiterbildung für den Facharzt Innere/Allgemeinmedizin motivieren

ULM (fuh). Hausärzte dringend gesucht! Aber wie und mit welcher Strategie? Der Ärztetag hat ein Handlungskonzept verabschiedet, das die Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin drastisch verbessern soll.

Ärzte bei der Weiterbildung: Ein Förderkonzept soll die Effizienz erhöhen.

Foto: dpa

Kern des Konzepts: Jeweils auf Landesebene sollen in Zukunft Koordinierungsstellen für die Weiterbildung eingerichtet werden, in denen Kammern, KVen, Landeskrankenhausgesellschaften, Lehrbeauftragte für Allgemeinmedizin sowie Hausärzte, die in der Weiterbildung Erfahrung haben, an einem Strang ziehen. Die Finanzierung soll mittelfristig durch das Förderprogramm Allgemeinmedizin erfolgen.

Diese Landes-Koordinierungsstelen arbeiten dann mit regionalen Weiterbildungsverbünden zusammen. Das sind zugelassene ambulante und stationäre Weiterbildungsstätten sowie befugte Ärzte, die eine koordinierte und vernetzte Weiterbildung anbieten. In diesen Regionalgremien findet Koordination an der Basis statt: So werden Weiterbildungsassistenten fachlich begleitet und zum Beispiel Rotationspläne erstellt, damit die Ausbildung reibungslos über die Bühne geht. Oberstes Ziel: der dringend benötigte Nachwuchs soll sich nicht zwischenzeitlich in andere Berufsbereichen neu orientieren.

Fördermittel sollen nach diesem Konzept, das eine BÄK-Arbeitsgruppe entwickelt hat, in Zukunft effektiver eingesetzt werden.

Derzeit fördern die gesetzlichen Kassen die allgemeinmedizinische Weiterbildung in Praxen niedergelassener Vertragsärzte in der Regel mit 1020 Euro monatlich pro Stelle, soweit die KVen eine mindestens gleich hohen Zuschuss gewähren. Bundesweit werden derzeit 3000 Stellen gefördert. Weitere 3000 Stellen sind mit der gleichen Geldsumme im stationären Bereich ausgestattet.

Dieses System hat, wie aus den von der BÄK vorgelegten Unterlagen zu entnehmen ist, erhebliche Defizite. So gibt es zum Beispiel bisher keine Möglichkeit, Fördergelder zwischen stationärem und ambulantem Bereich umzuschichten. Und die maximalen Fördermittel werden meist auch gar nicht erst ausgeschöpft.

Das neue Finanzkonzept sieht die Einrichtung eines Finanzpools jeweils auf Landesebene vor, in dem die Fördermittel aus dem ambulanten und stationären Bereich gesammelt und auf Grundlage von individuellen Weiterbildungs- und Rotationsplänen verteilt werden.

Die Delegierten ließen keinen Zweifel, dass für das Berufsbild Arzt dringend bei Studenten geworben werden muss: In den nächsten zehn Jahren scheiden aus Altersgründen bundesweit rund 42 Prozent (in den neuen Bundesländern sogar bis zu 50 Prozent) der derzeit tätigen Hausärzte aus dem Berufsleben aus.

Eine Steigerung der Zahl künftiger Ärzte, die eine Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin machen, könne nur dann erreicht werden, wenn bereits an der Uni für dieses Berufsbild getrommelt werde, hieß es.

In dem vom Ärztetag verabschiedeten Konzept wird eindringlich an Politiker und Vertreter der Kassen appelliert, noch in dieser Legislaturperiode zu gewährleisten, dass Ärzte in der Weiterbildung auch im ambulanten Bereich tarifgerecht vergütet werden.

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