Ärzte Zeitung, 23.05.2008

Teamarbeit? Nur mit glasklaren Regeln!

Ärzte suchen Gespräch mit anderen Gesundheitsberufen, lassen aber über ihre zentrale Rolle keinen Zweifel

ULM (fuh) Darüber haben die Delegierten des Deutschen Ärztetags keinen Zweifel gelassen: Moderne medizinische Versorgung ist eine Teamaufgabe. Klar ist aber auch, dass Ärzte ihre zentrale Schlüsselrolle in diesem Versorgungsprozess niemals aufgeben werden.

 Teamarbeit? Nur mit glasklaren Regeln!

Konzentriertes Podium auf dem 111. Deutschen Ärztetag in Ulm.

Foto: Sven Bratulic

"Wir sind offen für Gespräche mit anderen medizinischen Berufsgruppen", stellte die Vizepräsidentin der Bundsärztekammer Dr. Cornelia Goesmann bei der Debatte über das Arztbild der Zukunft und Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen klar. "Aber ärztliche Tätigkeit ist und bleibt ärztliche Tätigkeit", ergänzte unmissverständlich Niedersachsens Kammerpräsidentin Dr. Martina Wenker.

In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Entschließungsantrag stellen die Delegierten klar, dass sich die Schlüsselrolle des Arztberufs für das Gesundheitswesen aus den ärztlichen "Alleinstellungsmerkmalen" zwingend ergibt: Alleinstellungsmerkmale sind nach Definition des Ärztetags zum Beispiel die Fähigkeit zur Differentialdiagnose und Differentialtherapie, zur indikations- und zeitgerechten Kooperation mit anderen medizinischen Fachrichtungen oder auch zu einer Planung von Diagnostik und Therapie, die unerwünschte Verläufe antizipiert.

Eine Delegation ärztlicher Tätigkeit kann aus Sicht der Delegierten immer nur einen auf einzelne Patienten formulierten Auftrag umfassen, über dessen Fortgang und Ergebnis zeitnah kommuniziert werden muss. Die Delegation muss darüber hinaus zeitlich befristet und jederzeit widerrufbar sein, heißt es in dem Entschließungsantrag. Nur so sei gewährleistet, dass ärztliche Gesamtverantwortung transparent und nachvollziehbar bleibe.

Mit Blick auf die Zukunft des Arztberufs haben die Delegierten sich in Ulm gegen eine gesellschatliche Rolle als "omnipotente Ärzte" gewehrt. Ziel sei vielmehr ein Selbstverständnis als "bester Anwalt der Patienten". In ihrer Entschließung distanzieren sich die Ärzte von einem "unkritischen Machbarkeitsglauben" und der Überfrachtung der ärztlichen Rolle mit Heilserwartungen. "Unsere Gesellschaft", heißt es weiter, "muss wieder lernen, Krankheit, Alter und Tod als integrale Bestandteile des Lebens zu akzeptieren."

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