Ärzte Zeitung, 18.09.2013

Umfrage der "Ärzte Zeitung"

Klare Mehrheit für Schwarz-Gelb

Ginge es allein nach den niedergelassenen Ärzten, dann sollte die schwarz-gelbe Koalition weiter regieren. Das zeigt eine Umfrage unter den Lesern der "Ärzte Zeitung".

Von Helmut Laschet

Klare Mehrheit für Schwarz-Gelb

Am 22. September wird der neue Bundestag gewählt.

© Illian | Jens Wolf / dpa

NEU-ISENBURG. Die liberale Euphorie ist auch bei niedergelassenen Ärzten Vergangenheit. Nach wie vor hat die FDP zwar starken Rückhalt bei den - überwiegend freiberuflich tätigen - Ärzten, aber im Vergleich zu 2009 ist die Wählerschaft um mehr als zwei Drittel geschrumpft.

Überdies zeigt sich eine deutliche Differenzierung zwischen älteren und jüngeren Ärzten.

Das sind Ergebnisse einer Umfrage unter den Lesern der "Ärzte Zeitung", die in der zweiten August-Hälfte stattgefunden hat.

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, liefert aber aufgrund der hohen Teilnahmezahl von 993 Ärzten einen wahrscheinlich zuverlässigen Trend.

Zwölf Prozent für "Alternative für Deutschland"

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Ein Novum ist der außerordentlich hohe Anteil von Lesern - 48 Prozent -, die online abgestimmt haben. 52 Prozent haben konventionell per Fax abgestimmt.

Eine differenzierte Auswertung nach diesen beiden Gruppen, die auch unterschiedliche Altersgruppen repräsentieren dürften, zeigt erstaunliche Abweichungen.

Bei der Sonntagsfrage kann die Union in der Gesamtauswertung ihren Stimmanteil von 23,5 auf 40,5 Prozent fast verdoppeln. Dagegen stürzt die FDP im Vergleich zu 2009 von damals 56 auf nunmehr 17 Prozent ab.

Sie verliert unter den niedergelassenen Ärzten mehr als zwei Drittel ihrer Wähler. Drittstärkste Partei würde die "Alternative für Deutschland" (AfD) mit knapp zwölf Prozent.

Es folgen die SPD mit 9,3 Prozent (2009: 4,8 Prozent), Bündnis 90/Die Grünen mit 8,3 Prozent (2009: 6,3 Prozent) und die Linken mit 4,6 Prozent (2009: drei Prozent).

"Bahama-Koalition" wäre regierungsfähig

Die schwarz-gelbe Koalition hätte also nach dem Willen niedergelassener Ärzte eine satte Mehrheit von 57 Prozent. Das verdankt sie aber vor allem älteren Ärzten.

In der jüngeren Generation, die online abgestimmt hat, sieht das Bild völlig anders aus: Hier kommt die Union nur noch auf 29 Prozent, die FDP ist mit 15,5 Prozent etwas schwächer, Grüne, Linke und AfD erhalten deutlich mehr Stimmen.

Weil in dieser Gruppe vor allem die Volksparteien CDU/CSU und SPD wenig Rückhalt haben, hätte eine sogenannte große Koalition keine Mehrheit, erst recht kein Jamaika-Bündnis.

Regierungsfähig wäre hingegen die "Bahama-Koalition" - das neue Berliner Schreckgespenst aus Union, FDP und AfD. Die Flagge des karibischen Inselstaats ist schwarz, gelb und blau.

Eindeutiger sind wieder die Ergebnisse zur Kanzlerfrage: 59 Prozent der Leser der "Ärzte Zeitung" plädieren für Angela Merkel als Bundeskanzlerin, ihr Gegenspiel Peer Steinbrück kommt auf 13,5 Prozent.

Allerdings: Bei den "Onlinern" erhält Merkel nur 49 Prozent der Stimmen, Steinbrück schneidet mit 17,5 Prozent etwas besser ab.

Ärzte wollen Bahr als Gesundheitsminister

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Und wie soll das Schicksal von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr aussehen? Vor vier Jahren war er unter den Lesern der "Ärzte Zeitung" mit 54,4 Prozent der Favorit für das Amt des Bundesgesundheitsministers.

Ein Traum, der zwei Jahre später, als Philipp Rösler Parteichef und Bundeswirtschaftsminister wurde, in Erfüllung gehen sollte.

Obgleich Bahr bei führenden Ärzte-Organisationen sowohl als Parlamentarischer Staatssekretär wie auch als Minister bella figura machte, ist die einst euphorische Zustimmung verflogen. 33 Prozent der "Ärzte Zeitung"-Leser wünschen sich ihn weiterhin als Gesundheitsminister.

Seine möglichen Wettbewerber Jens Spahn von der CDU und Karl Lauterbach von der SPD kommen auf 12 und 10,5 Prozent.

Das verdankt Bahr zum großen Teil den konservativ geprägten älteren Ärzten - unter den jüngeren Online-Wählern sehen die Präferenzen deutlich anders aus: In dieser Gruppe liegt Bahr nur bei 23 Prozent, Karl Lauterbach bei 16 Prozent.

Besetzung des BMG hängt am Wahlausgang

Wer aber wirklich das Gesundheitsministerium nach dem 22. September führen wird, ist völlig ungewiss. Die letzten Meinungsumfragen sehen die FDP bei etwa fünf Prozent.

Verfehlt Schwarz-Gelb eine Mehrheit, müsste es zu einer Koalition aus Union und SPD kommen, und das Gesundheitsressort könnte in SPD-Hände fallen.

Reicht es für Schwarz-Gelb, dann wird die FDP - wenn nicht noch ein Wunder geschieht - wohl auf zwei Ministersessel verzichten.

Das Außen- und Wirtschaftsressort dürften für Guido Westerwelle und Parteichef Philipp Rösler gesetzt sein, wahrscheinlich auch das Justizministerium für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als liberaler Gegenpol zum Unions-geführten Innenministerium.

Bahr wäre dann nicht mehr Kabinettsmitglied, das Gesundheitsministerium würde an die Union fallen.

Klare Mehrheit für Schwarz-Gelb

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