Ärzte Zeitung, 02.10.2013

Ärzteumfrage

Düstere Blicke nach Berlin

Neue Legislatur ante portas: Viel Freude will deswegen bei den Ärzten nicht aufkommen. Eine Umfrage zeigt: Sie erwarten nicht viel von der neuen Regierung. Aber es gibt Unterschiede.

Von Helmut Laschet

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Regierungsbank im Bundestag: Wer wird bald dort sitzen?

© Wiegand Wagner / imago

NEU-ISENBURG/KOBLENZ. Gut ein Drittel der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sind Pessimisten. Sie erwarten in der neuen Legislaturperiode eher Verschlechterungen als Verbesserungen.

Nur eine kleine Minderheit von etwa mehr als vier Prozent blickt zuversichtlich auf die nächsten vier Jahre und erwartet, dass sich die Gesamtsituation als Arzt in der ambulanten Versorgung verbessern wird. 60 Prozent gehen davon aus, dass sich nichts ändern wird.

Das sind Ergebnisse des "GesundheitsMONITORS" von CompuGroup, einer Repräsentativbefragung von 440 niedergelassenen Ärzten.

Nun, nachdem die Liberalen sich ins politische Aus gewirtschaftet haben, sehen Ärzte angesichts einer wahrscheinlichen großen Koalition wohl ein unfreundlicheres politisches Klima für sich.

Dazu mag beitragen, dass die SPD wohl ihr Konzept der Bürgerversicherungen in die Verhandlungen einbringen wird und sich Union und SPD auf eine Reform der Entgeltsysteme einigen könnten, die auf eine Egalisierung von GOÄ und EBM hinauslaufen könnte.

Gleichwohl glauben die meisten Ärzte, dass die neue Koalition wenig reformfreudig sein wird. 81,4 Prozent erwarten keine grundlegenden Reformen, nur 18,6 Prozent sind der Meinung, dass größere Reformprojekte angegangen werden.

Keine Vorschusslorbeeren

Angesichts der eher dürftigen Hinterlassenschaft der konservativ-liberalen Regierung, deren Schmalspur-Präventionsgesetz in letzter Minute am Bundesrat scheiterte und die eine größere Pflegereform erst gar nicht angepackt hat, geht eine neue Regierung ohne jegliche Vorschusslorbeeren ins Amt.

Maßgeblich wird die wirtschaftliche Entwicklung der Vertragsärzte von den GKV-Honoraren bestimmt. Auch hier herrscht wenig Optimismus, obgleich die Krankenkassen eine Finanzreserve von aktuell gut 27 Milliarden Euro aufgehäuft haben.

Die weitaus meisten Ärzte glauben nicht, dass sie davon profitieren könnten - nur 5,5 Prozent habe gute Hoffnung, dass ihr Kassenhonorar steigen wird. 55 Prozent sagen, es werde in etwa gleich bleiben, aber immerhin 39,5 Prozent prognostizieren sinkende Kassenhonorare.

Reformfreudigkeit der künftigen Regierung und wirtschaftliche Aspekte werden von allen Arztgruppen nahezu homogen beurteilt. Ob Hausarzt oder Facharzt, Ärztin oder Arzt, jüngerer oder älterer Kollege - die Meinungsverteilung ist nahezu identisch.

Union soll Ministerium führen

Lediglich bei der Frage, welche Partei den zukünftigen Gesundheitsminister stellen sollte, gibt es gewisse Differenzierungen. Generell ist die Präferenz für einen aus der Union stammenden Bundesgesundheitsminister mit 78,6 Prozent sehr groß.

Bei einer Differenzierung nach Haus- und Fachärzten fällt auf, dass nur 16,1 Prozent der Spezialisten einen SPD-Politiker auf dem Stuhl des Bundesgesundheitsministers wünschen würden, aber immerhin 24,1 Prozent der Hausärzte.

Auch das Alter der Ärzte hat einen Einfluss auf die Parteienpräferenz: 26,7 Prozent der älteren Ärzte über 60 würden einen SPD-Gesundheitsminister bevorzugen, bei den jüngeren Ärzten unter 45 sind es nur 10,2 Prozent.

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