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Ärzte Zeitung, 08.11.2013

Schwarz-Rot

In vier Wochen zum Facharzt!

Patienten sollen künftig eine Facharzt-Versorgung auch in Kliniken bekommen können. Darauf haben sich Union und SPD am Donnerstag in Berlin geeinigt. Ihr Ziel: Termine in vier Wochen.

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Überweisung zum Facharzt: Mit überlangen Wartezeiten auf einen Facharzttermin soll bald Schluss sein.

© Marco Drux / fotolia.com

BERLIN. Die oft beklagten langen Wartezeiten von Kassenpatienten auf einen Facharzttermin sollen bald der Vergangenheit angehören. KVen und Krankenkassen müssen künftig garantieren, dass binnen vier Wochen ein Termin beim Spezialisten zustande kommt.

Darauf hat sich die Arbeitsgruppe Gesundheit am Donnerstag bei den Koalitionsverhandlungen geeinigt. "Wenn die KVen das nicht leisten, können Patienten sich von Fachärzten in Kliniken behandeln lassen", sagte Jens Spahn, CDU-Verhandlungsführer in der AG Gesundheit.

"Das ist ein wesentlicher Schritt weg von der Zwei-Klassen-Medizin", sagte Karl Lauterbach von der SPD.

Ferner einigten sich Union und SPD darauf, Krankenhäuser verstärkt die ambulante Versorgung einzubeziehen.

Ein Schwerpunktthema der Beratungen am Mittwoch und Donnerstag war eine Verbesserung der Qualität von Krankenhausleistungen und insbesondere ihrer Transparenz. Qualitätsdaten, die Kliniken und Kassen zur Verfügung stehen, sollen Ärzten und Patienten zugänglich gemacht werden.

"Transparenz wird von den Patienten gewünscht", sagte Lauterbauch. Und Spahn ergänzte: "Damit wird ein Defizit in der Qualitätstransparenz beseitigt."

Langzeitdaten sollen her

Bereits am Mittwochabend hatten Union und SPD sich grundsätzlich auf eine stärkere Qualitätsorientierung auch bei der Vergütung stationärer Leistungen geeinigt.

Was einige private Klinikketten wie etwa Helios im Ansatz schon praktizieren, nämlich die Langzeitergebnisqualität zu messen und zu dokumentieren, könnte bald eine gesetzliche Pflicht werden.

So sollen in der ambulanten Versorgung auftretende Komplikationen nach einer Entlassung aus der Klinik künftig in die Qualitätsbewertung dieses Hauses einfließen.

Außerdem planen Union und SPD, die Unikliniken zu entlasten. Deren Leistungen sollten künftig so erstattet werden, dass sie keine Defizite machten, kündigte Lauterbach am Mittwoch an.

Geklärt werden müsse, ob eine Sonderfinanzierung der Uniklinika innerhalb des Körperschaftsmodells möglich sei, oder ob man einen Finanztopf schaffe, der nur den Uniklinika zur Verfügung steht. Überlegt wird ferner, ob und wie die derzeit noch unterschiedlichen Landesbasisfallwerte angeglichen werden sollen.

Am Freitag wollen die Mitglieder der AG Gesundheit weiter über die stationäre Versorgung verhandeln. Möglicherweise stehen dann auch das Thema Altenpflege und damit die Pflegeversicherung auf der Agenda. (af/bee/sun)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Keine schlechte Idee

[08.11.2013, 17:21:31]
Heike Norda 
Gute Nachrich für Schmerzpatienten!
Einen ambulanten Termin innerhalb von 4 Wochen - das ist eine gute Nachricht für Schmerzpatienten! Diese müssen in einigen Regionen, wie z. B. in Schleswig-Holstein, bis zu einem Jahr auf einen Termin beim Schmerztherapeuten warten.
Gespannt darf man sein, woher die KV die zusätzlich nötigen Schmerztherapeuten nimmt. Sollte man vielleicht etwas an der Vergütung ändern, damit es sich Schmerztherapeuten auch "leisten" können, ambulante Schmerztherapie zu machen? zum Beitrag »
[08.11.2013, 08:54:14]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Gesunde Krankheitspolitiker oder kranke Gesundheitspolitiker?
Das liebe ich so am Bachelor der Fernuniversität Hagen, Jens Spahn, Verhandlungsführer der CDU/CSU-Fraktionen in der AG Gesundheit und an Prof. Dr. Karl Lauterbach von der SPD, Approbation als Arzt immerhin seit 2010: Ihre Vorschläge wirken immer so lebensnah, praktisch und realitätsangemessen.

Selbstverständlich müssen ausschließlich die Patienten und keinesfalls ihr/e Hausarzt/Hausärztin über Ausmaß, Schwere und Konsequenz ihrer Symptomatik selbstbestimmt und autonom entscheiden, um ultimativ Facharzttermine einzufordern und deren Sprechstunden für dringliche Akutpatienten 4 Wochen lang vollständig zu blockieren.

Selbstverständlich drehen die Fach- und Oberärzte in den Klinik-Fachabteilungen den ganzen Tag Däumchen und wünschen sich nichts sehnlicher, als endlich auch Patienten des psychosomatischen und funktionellen Formenkreises z u s ä t z l i c h zu echten Akutpatienten, Notfällen, Unfällen, Operationen, diagnostischen und therapeutischen Eingriffen, Reanimationen und Intensivtherapie, Psychiatrie, Entbindungen, Schmerztherapie und Palliativmedizin, Bürokratie und Verwaltungsarbeit sehen und untersuchen zu dürfen.

Wenn Sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Verbesserung der Qualität von Krankenhausleistungen und insbesondere ihre Transparenz zu evaluieren und kommunizieren. Qualitätsdaten, die Kliniken und Kassen zur Verfügung stehen, sollen Ärzten und Patienten zugänglich gemacht werden. "Das ist ein wesentlicher Schritt weg von der Zwei-Klassen-Medizin", fantasieren unisono Lauterbauch/Spahn ergänzte: "Damit wird ein Defizit in der Qualitätstransparenz beseitigt."

Bevor hier Fieberkrämpfe auftreten, sollte man ernsthaft über die Indikation zur Anwendung fiebersenkender Suppositorien nachdenken...

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S.: Heute Morgen Anruf in der Sprechstunde. Patientin, seit 4 Tagen Diarrhoe mit frustraner, Internet-gesteuerter Loperamid-Bedarfstherapie bekommt sofort einen Akut-Termin. Zu diesem bringt sie ein bereits gefülltes Stuhlproben-Röhrchen zur detaillierten Laboranalyse mit, das sie sich kurzerhand bei einem Nachbarpatienten von mir „ausgeliehen“ hat?
 zum Beitrag »
[08.11.2013, 06:45:58]
R. Mortag 
Kein Arzttermin in 4 Wochen dann ins Krankenhaus
Da hat sich ja jemand was ganz tolles ausgedacht. Macht unwahrscheinlich Eindruck auf die Patienten, verkauft sich genial in der Presse und bringt ??????
Was in dem Artikel nicht erwähnt wird ist, dass dafür das Krankenhaus Geld aus der ambulanten Versorgung erhalten soll. Finde ich auch Klasse. Aber dann auf dem gleichen Niveau wie die ambulanten Kollegen. Die nehmen nämlich keine neuen Patienten mehr an, weil ihr Budget ausgeschöpft ist. Das heisst auch das Krankenhaus muss die Patienten umsonst behandeln. Ob die sich darauf einlassen?
Oder soll hier die ambulante Medizin abgeschafft werden und in die Krankenhäuser verlagert werden?
Liebe zukünftige Koalition: bevor solch ein Unsinn beschlossen wird von Betonköpfen, bitte mal zurück zur Erde und in die Realität zurückkommen.
Die Kliniken fahren jetzt schon am Limit, wenn sie dann noch jeden unzufriedenen Patienten mit einfachsten Rückenschmerz "behandeln" sollen, insbesondere mit Facharztstatus und umsonst - war es dass.
Ich habe noch einen Gegenvorschlag - jeder Patient der mehr als 4 Wochen auf einen OP Termin im Krankenhaus warten muss - behandeln wir wieder konservativ und bekommen dafür die DRG vom Krankenhaus oder schicken ihn ins Ausland. zum Beitrag »

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