Ärzte Zeitung online, 10.12.2013

Pädiater

Schwarz-Rot muss Farbe bekennen!

Von den Wahlversprechen der Union und der SPD ist nach den Koalitionsverhandlungen nichts mehr übrig geblieben, kritisiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Er fordert von den Parteien ein Bekenntnis zum Berufsstand.

KÖLN. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat am Montag heftige Kritik am Koalitionsvertrag geübt.

Es sei völlig unverständlich, dass im Abschnitt "Gesundheit und Pflege" die Gesundheitsbelange von Kindern und Jugendlichen ausgeblendet worden sind.

Dies wird nach Ansicht von BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann in keiner Weise den Aussagen gerecht, die die Koalitionspartner vor der Wahl geäußert haben.

So hieß es zum Beispiel in Verlautbarungen der CDU/CSU: "Die primäre Zuständigkeit für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen liegt aufgrund seiner speziellen Ausbildung beim Pädiater. Er ist mit den physiologischen und psychologischen Aspekten der Behandlung dieser Patientengruppe am besten vertraut."

Und die SPD trat vor der Wahl mit dieser Verlautbarung vor die Wähler: "Die SPD wird die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Kinder- und Jugendgesundheit auch weiterhin zu einem gesundheitspolitischen Schwerpunktthema machen.

Die SPD spricht sich nach wie vor uneingeschränkt für den Fortbestand einer qualifizierten ambulanten Kinder- und Jugendmedizin als eigenständige Fachgruppe aus. Für Kinder und Jugendliche übernehmen Kinder- und Jugendärzte die Funktion des Hausarztes.

Stehen nur Hausärzte im Koalitionsvertrag?

Im Koalitionsvertrag sei allerdings nun immer nur von "Hausärzten" die Rede und von einer Stärkung der hausärztlichen Versorgung ohne Differenzierung, welche Arztgruppen neben den Allgemeinärzten der hausärztlichen Versorgungsebene zugeordnet werden sollen.

Hartmann: "Ohne Kinder- und Jugendärzte sowie hausärztliche Internisten ist die hausärztliche medizinische Grundversorgung nicht sicherzustellen." Dies werde im Koalitionsvertrag aber nicht deutlich.

Die Ausblendung der Kinder- und Jugendmedizin treffe auch für die Hausarztverträge zu. Vor der Wahl hieß es dazu zum Beispiel bei der SPD: "Auf die besonderen fachlichen Kompetenzen der Kinder- und Jugendärzte kann und darf nicht verzichtet werden.

Die SPD will deshalb ihre Position als Erstversorger von Kindern und Jugendlichen dadurch stärken, dass sie in bestehende Verträge der hausarztzentrierten Versorgung gemäß Paragraf 73b SGB V aufgenommen werden können."

Auch die CDU bekräftigte laut BVKJ vor der Wahl, dass trotz der politisch geförderten Hausarztverträge "die primäre Zuständigkeit der Kinder- und Jugendärzte für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen" unberührt bleibe.

BVKJ-Präsident Hartmann fordert daher nun die Koalitionspartner zur Klarstellung auf.

Union und SPD müssten Farbe bekennen, ob diese vor der Wahl getroffenen Aussagen Bestandteil der zukünftigen Gesundheitspolitik sein sollen oder ob "die Kinder- und Jugendmedizin in Zukunft nicht mehr zur ambulanten Grundversorgung im hausärztlichen Versorgungsbereich gehören." (ras)

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