Ärzte Zeitung, 11.12.2013

KV Bayerns

Viele Patienten schwänzen ihre Arzttermine

Viele Patienten schwänzen ihre Arzttermine

Die KV Bayerns hält die von Union und SPD geforderte Frist von maximal vier Wochen Wartezeit auf einen Facharzttermin für falsch - und "realitätsfern". Schließlich seien auch viele Patienten unzuverlässig.

MÜNCHEN. Die Pläne der Politik, die Wartezeit auf einen ambulanten Facharzttermin auf vier Wochen zu begrenzen, stoßen bei der KV Bayerns (KVB) auf Widerspruch.

Als Hausarzt habe er in 30 Jahren nie ein Problem damit gehabt, für einen Patienten wenn nötig innerhalb kürzester Zeit, unter Umständen sogar innerhalb von Stunden, einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, erklärte der KVB-Vorsitzende Dr. Wolfgang Krombholz am Dienstag in München.

Die von der Großen Koalition geplante verbindliche Vier-Wochen-Frist bei Facharztterminen sei "realitätsfern", sagte KVB-Vize Dr. Pedro Schmelz.

Manche Patienten gehen mit der Zeit der Ärzte unachtsam um

Freiberuflich tätigen Ärzten vorschreiben zu wollen, wie sie ihren Praxisbetrieb organisieren sollen, sei eine unzulässige Einmischung der Politik. Kein Arzt lasse seine Patienten gerne warten.

Die ambulante fachärztliche Versorgung reiche von der Prävention über die Grundversorgung bis hin zu hoch spezialisierten Leistungen. Eine einheitliche Vier-Wochen-Frist mache da "überhaupt keinen Sinn", sagte Schmelz.

Vor dem Hintergrund überfüllter Wartezimmer, von Budget-, Regress- und Zeitdruck stelle das Terminmanagement in der Praxis eine echte Herausforderung dar, erklärte die zweite stellvertretende KVB-Vorsitzende Dr. Ilka Enger.

Um so ärgerlicher sei es, wenn Patienten mit der "Ressource Arztzeit" wenig achtsam umgehen.

Ausfallquoten bis zu 15 Prozent

Nach den ersten Ergebnissen einer Umfrage bei den Ärzten und Psychotherapeuten in Bayern zur Termintreue der Patienten, die Ende November 2013 gestartet wurde, werden bei etwa einem Drittel der Praxen jede Woche zwischen fünf und 15 Prozent der vereinbarten Termine nicht wahrgenommen.

Jede fünfte Praxis berichtet sogar von Ausfallquoten zwischen zehn und 15 Prozent, so Enger. Und: Mehr als die Hälfte der Patienten, die ihren Termin nicht wahrnehmen, sagen nicht ab.

Vor allem bei reinen Bestellpraxen führe ein solches Verhalten zu Ausfallzeiten und zu Honorarverlust, insbesondere wenn es sich um Termine für zeitintensive Untersuchungen wie Gastro- oder Koloskopie, für Diabetes-Schulungen oder sogar für ambulante Operationen handelt, erklärte Enger.

Dadurch verlängere sich zugleich die Wartezeit für andere Patienten. Echte "Terminkiller", so Enger, seien offenbar vor allem besonders winterliches und besonders sommerliches Wetter.

An der KVB-Umfrage, die noch bis zum 23. Dezember läuft, haben sich bislang bayernweit etwa 350 Praxen beteiligt. (sto)

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