Ärzte Zeitung, 27.01.2014

Koalitionsvertrag

Hambacher Bund tadelt Regierung

MAINZ. Der Ärzteverband Hambacher Bund blickt kritisch in das noch junge Jahr und auf die Pläne der Großen Koalition (GroKo): "Uns betrübt im Gesundheitsbereich, dass das Kräfteverhältnis nicht mehr stimmt zwischen denen, die organisieren, und denen, die die Versorgung umsetzen."

Durch die GroKo gerate das Verhältnis weiter aus dem Lot. "Wir sind nicht mehr in der Lage, alle Formalien, die uns übertragen werden, umzusetzen und gleichzeitig noch eine gute Patientenversorgung zu realisieren", sagte Peter Nienhaus, Vorsitzender des Hambacher Bundes und Internist, auf der Neujahrs-Pressekonferenz des Verbands am 17. Januar in Mainz.

Unbehagen richtet sich speziell gegen die im Koalitionsvertrag festgehaltene Vier-Wochen-Frist. Bekommt ein Patient binnen vier Wochen keinen Termin beim Facharzt, dürfe er sich entsprechend in der Klinik behandeln lassen. "Es ist überheblich, dieses Problem so hochzustilisieren", sagte Martin Grauduszus, stellvertretender Vorsitzender des Verbands.

Es solle stattdessen besser mehr Aufklärungsarbeit für Patienten geleistet werden, um diesen ein besseres Navigieren im System zu ermöglichen. Viele Facharzttermine würden gar nicht entstehen, wenn die Patienten, anstatt auf einen schnellen Termin beim Facharzt zu drängen, zunächst ihre Befindlichkeiten beim Hausarzt abklären ließen.

Nienhaus sagte, es fehle den Politikern oft an Verständnis für den Arbeitsalltag der Ärzte. Gebot der Stunde sei eine außerparlamentarische Opposition. Der Verband wolle sich dieser Aufgabe in 2014 etwa mit Info-Kampagnen, Wartezimmer-Aktionen und "Abgeordneten-Pflege" stellen.

Denn Nienhaus und Grauduszus sind sich einig, dass "riesige Probleme auf die Gesellschaft zukommen, weil Persönlichkeit, Individualität und Würde von Patient und Arzt weiter zur politischen Verfügungsmasse verkommen werden."

Der Hambacher Bund ist ein bundesweit tätiger Verband, der im Frühjahr vergangenen Jahres auf dem Hambacher Schloss gegründet wurde. Seine Gemeinnützigkeit bekam der Verband im Dezember 2013 anerkannt. Derzeit umfasst er nach eigenen Angaben circa 60 Mitglieder.

Er richtet sich nicht nur an Ärzte, Patienten können ebenfalls Mitglied werden. Ziel der Initiatoren ist es, bis zum Jahresende insgesamt 1000 Mitglieder im Verband zu versammeln. Heute sei der Interessenverbund noch "Avantgarde", darum ginge es aber nicht. Nienhaus und Grauduszus gehe es, um das Setzen von Impulsen. (mh)

Weitere Informationen zum Verband: www.freie-aerzte-auf-hambach.de

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Bundestagswahl 2013 (193)

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