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Modul: Eine migrationsmedizinische Herausforderung? Die ambulante Versorgung Geflüchteter

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Ärzte Zeitung, 21.10.2015

Flüchtlingsversorgung im Norden

"Wir machen hier Basismedizin"

Ärzte in Schleswig-Holstein engagieren sich vielfältig. Die Begegnung mit den hilfsbedürftigen Menschen ist für sie bereichernd.

RENDSBURG/BOOSTEDT. Ein zehn Quadratmeter großer Raum, ein Tisch, eine Liege, ein Medikamentenschrank. Kein Regalplatz, kein Waschbecken, keine technischen Geräte. Das ist für die nächsten Stunden der Arbeitsplatz von Dr. Bashar Gharib.

Er hat den hausärztlichen Dienst an einem Sonnabend in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Rendsburg übernommen. Zusammen mit Krankenschwester Regina Meyn ist er die kommenden Stunden für die Flüchtlinge da.

Ihn erwartet "Basismedizin, wie wir sie aus Klinik und Praxis kaum noch kennen", sagt Gloria-Linda Lawrenz. Die Notdienstbeauftragte der KV Schleswig-Holstein (KVSH) und niedergelassene Psychotherapeutin setzt sich derzeit für einen größeren Container und damit für mehr Platz und bessere Arbeitsbedingungen der Ärzte ein.

Derzeit wendet Lawrenz 20 bis 25 Stunden pro Woche dafür auf, dass die hausärztliche Betreuung für Flüchtlinge in Rendsburg organisiert wird.

Das heißt nicht nur Dienstpläne und Einsatz für geeignete Arbeitsbedingungen, sondern zum Beispiel auch die Zusammenarbeit mit Dolmetschern, Polizei und Sicherheitskräften vor Ort. Für eine Übergangszeit ist dieser Mehraufwand für sie vertretbar, auf Dauer aber kaum zu leisten.

Patienten mit Begeisterung empfangen

Mehr Platz als die Rendsburger Kollegen hat Dr. Henning Kothe in seinem Sprechzimmer in der früheren Kaserne in Boostedt bei Neumünster. Eigentlich ist Kothe niedergelassener Pulmologe in einem großen Zentrum in Hamburg.

Schon seit einigen Wochen hat er seine zuvor freien Tage gegen eine Mitarbeit in der Notarztbörse eingetauscht und war für den Dienstleister schon an vier Standorten in Schleswig-Holstein eingesetzt. Mit viel Begeisterung empfängt Kothe seine Patienten auch in Boostedt. "Das hier muss man mögen", steht für ihn fest.

Sein Grund: Er hat nicht die anonyme Masse vor Augen, sondern einzelne Menschen. "Vor mir sitzen Fathima oder Mohamed. Jeder hat ein Gesicht und persönliches Schicksal", beschreibt Kothe seine Motivation. Er bescheinigt dem Großteil seiner Patienten einen "großen Willen, sich zu integrieren".

Er trägt seinen Teil dazu bei, indem er an allen Standorten dafür wirbt, medizinisch ausgebildete Flüchtlinge zu informieren, dass sie gebraucht werden.

"Bei den meisten spürt man eine große Herzenswärme"

Kothe hilft ihnen mit der Vermittlung von Adressen weiter. Für Kothe steht fest, dass die Flüchtlingsbetreuung in Deutschland auch dauerhaft gelingen wird, "wenn jeder etwas macht, was er kann."

Auch Dr. André Kröncke, Leiter und Gründer der Notarztbörse, hat so eine ansteckende Leidenschaft, die aus der Begegnung mit den Flüchtlingen entspringt.

"Bei den meisten spürt man eine große Herzenswärme und Dankbarkeit. Man trifft selten Flüchtlinge mit hoher Anspruchshaltung", sagt Kröncke. (di)

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