Ärzte Zeitung, 09.12.2015

Sachsen-Anhalt

Ärztekammer organisiert Flüchtlingsgipfel

Wie die Versorgung der Flüchtlinge stemmen? In Sachsen-Anhalt hat die Ärztekammer zum Gespräch geladen. Ein Problem wurde schnell deutlich: zu wenig Räume und Personal.

Von Petra Zieler

MAGDEBURG. Nicht über-, sondern miteinander reden, gemeinsam Lösungen finden, das war Ziel eines Flüchtlingsgipfels, zu dem die Ärztekammer Sachsen-Anhalts jüngst eingeladen hatte.

Nach ihren Besuchen in den beiden zentralen Aufnahmestellen des Landes hatten Kammerpräsidentin, Dr. Simone Heinemann-Meerz, Vertreter des Innen-und Sozialministeriums, der beiden Universitäten, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie die Amtsärzte an einen Tisch gebeten.

"Aus Katastrophen, ob durch Unwetter oder Unfälle, wissen wir: Wenn die Welt zusammenkommt, lassen sich Probleme schnell und gut lösen. Mich frustriert, dass globale Lösungen in der Flüchtlingsfrage nach wie vor fehlen", so Heinemann-Meerz.

Obwohl der Kammerpräsidentin zunächst fast Amtsanmaßung wegen der Einladung vorgeworfen wurde (sie sei dafür nicht zuständig), sprachen sich am Ende der vierstündigen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen alle Teilnehmer für eine Neuauflage im ersten Quartal des kommenden Jahres aus.

In der Kritik aus ärztlicher Sicht standen vor allem die schwierigen hygienischen Bedingungen in Halberstadt sowie Probleme bei den Erstuntersuchungen und viel zu wenig Personal.

Dabei war ein entsprechender Aufruf der Ärztekammer an Mediziner im Ruhestand auf großes Echo gestoßen. Doch ein Großteil der Ärzte, die sich gemeldet hatten, kam gar nicht zum Einsatz.

Und das nicht etwa, weil es an Arbeit fehlte, es gab schlicht zu wenig Räumlichkeiten. Aus diesem Grund könne in der Aufnahmestelle Halberstadt auch nicht geimpft werden.

Heinemann-Meerz sagte: "Die Folgen einer möglichen Epidemie sind ungleich teurer als die Investition in vernünftige und ausreichende Räumlichkeiten." Mehraufwand und höhere Kosten verursache auch die Entscheidung, analog statt digital zu röntgen.

Ganz zu schweigen vom Problem der Aufbewahrung von tausenden Aufnahmen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Noch, meint die Kammerpräsidentin, seien Ärzte und Schwestern "gut drauf". Doch die Stimmung bröckele.

"Dabei ist das Nadelöhr gar nicht die medizinische Versorgung, sondern die Bearbeitung der Asylanträge." Hinzu käme die verordnete Langeweile. Hilfen von Seiten der Flüchtlinge seien nicht vorgesehen.

"Wir haben durchgesetzt, dass bei der Aufnahme künftig nach den Beruf gefragt wird", sagte Heinemann-Meerz. Es gebe auch etliche Ärzte unter den Ankommenden, die durchaus wertvolle Hilfe leisten könnten, ohne medizinisch tätig zu sein. An den strengen Approbationsverfahren in Deutschland will die Kammerpräsidentin nicht rütteln.

"Wer in Deutschland Arzt sein will, muss neben fachlichen Voraussetzungen auch unsere Sprache beherrschen." Bislang haben 53 ausländische Ärzte eine Fachsprachprüfung an der Uni Halle absolviert. 36 von ihnen haben sie bestanden.

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