Ärzte Zeitung online, 30.12.2015

Bremen

Kammer will Hospitationen für Flüchtlinge mit ärztlicher Ausbildung

Die Hansestadt Bremen sucht nach Sonderregelungen für Flüchtlinge, die eine ärztliche Ausbildung haben.

BREMEN. Die Bremer Ärztekammer möchte für die Ärzte unter den Flüchtlingen der Stadt eine Sonderregelung etablieren. Sie sollen Hospitationen in Klinken und Praxen machen können. Das ist derzeit nicht möglich.

Denn Hospitierende gelten seit Jahresbeginn 2015 als Praktikanten und müssen laut Mindestlohngesetz mit mindestens 8,50 Euro pro Stunde entlohnt werden.

Zugleich dürfen Aylbewerber vor ihrer Anerkennung im Gastland nicht für Geld arbeiten.

Kurz: Was etwa die syrischen Ärzte als Hospitierende an finanziellen Zuwendungen erhalten müssen, muss ihnen zugleich als Asylbewerbern vorenthalten werden. "Eine Zwickmühle", sagt Dr. Heike Delbanco, Hauptgeschäftsführerin der ÄKHB, zur "Ärzte Zeitung".

Deshalb hat sich die Kammer an den zuständigen Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) gewandt. "Wir brauchen vom Senator vor allem Aufklärung", sagt Delbanco.

"Wir wollen nicht, dass wir in ein Problem hineinlaufen, wenn wir die Ärzte unter den Asylbewerbern zu unentgeltlichen Hospitationen einladen."

Erste Kontaktaufnahme zum medizinischen Tagesgeschäft

Die Kammer verspricht sich von solchen Hospitationen für die Neuankömmlinge schon erste Kontaktaufnahme zum medizinischen Tagesgeschäft in Deutschland - wie wird untersucht, diagnostiziert, versorgt? Wie laufen die Patientengespräche? Wie sind die Strukturen?

"So lange die Ärzte etwa aus Syrien auf eine Approbation oder die Berufserlaubnis warten, haben sie Leerlauf", sagt Delbanco.

Diesen Leerlauf wollen inzwischen immer mehr Bremer Ärzte zu füllen helfen. Seit dem Sommer hat sich ein Paten-Modell an der Weser etabliert: Ärzte nehmen zum Beispiel syrische Kollegen unter ihre Fittiche.

Nach Angaben Delbancos haben sich zur Auftaktveranstaltung im Sommer 80 Kollegen gemeldet. "Aber ein Register führen wir nicht", sagt Delbanco.

Wie viele hospitierende Ärzte also mit unklaren rechtlichen Status tatsächlich in der Hospitanz bei einem Bremer Kollegen oder eine Kollegin sind, weiß die Kammer nicht, ebenso wenig, wie viele Ärzte unter den Asylsuchenden Bremens sind.

Dazu ist die Lage zu unklar. "Schon die Anzahl der Unterkünfte ändert sich täglich", sagt Delbanco.

Senator Günthners Sprecher, Holger Bruns, sagt: "Wir wollen eine intelligente Lösung finden." (cben)

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