Ärzte Zeitung, 02.03.2016

Asylpaket II

Psychotherapeuten schlagen Alarm

Psychotherapeuten-Verbände kritisieren das Asylpaket II scharf: Sie sehen nicht zuletzt eine Gefahr für die Integration.

NEU-ISENBURG. Das vergangene Woche verabschiedete Asylpaket II wird von den Psychotherapeuten-Verbänden stark kritisiert.

Die Delegiertenversammlung des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), die jüngst zusammen getreten ist, "wendet sich entschieden dagegen, dass psychische Erkrankungen bagatellisiert werden", heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Das Gesetzespaket, das Bundestag und Bundesrat im Eilverfahren verabschiedet haben, sieht unter anderem vor, dass nur noch schwerwiegende Erkrankungen eine Abschiebung verhindern können. Psychische Erkrankungen wie eine PTBS zählen nicht dazu (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

"Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine schwerwiegende Erkrankung", erinnert jedoch der bvvp. "Hier kann durch eine alleinige medikamentöse Behandlung keine nachhaltige Besserung oder gar Heilung erreicht werden."

Es ist ein Punkt, an dem sich auch die Delegierten der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) stoßen: "Im Asylpaket II wird eine Diffamierung psychischer Erkrankungen und eine Abwertung der sie behandelnden Psychotherapeuten und Ärzte sichtbar", kritisieren sie.

Beide Verbände weisen auf das Verfahren der Begutachtung hin: Dieses müsse durch entsprechend qualifizierte Gutachter erfolgen; die fachlichen Qualitätsstandards würden nach den Vorgaben des Asylpakets II jedoch ignoriert. Die DPtV fordert eine "qualifizierte Fortbildung für geeignete Laienhelfer oder Angehörige sozialer Berufe (ggf. selbst Flüchtlinge)". So könnten diese als "Trauma-fortgebildete Laienhelfer" bei niedrigschwelligen Screenings und als interkulturelle Mediatoren unterstützen.

Darüber hinaus müsse eine sprachliche Verständigung mit dem Gutachter erfolgen können, beispielsweise durch qualifizierte Dolmetscher. Bereits Bundespsychotherapeutenkammer und Bundesärztekammer hatten diesen Punkt angemahnt.

Langfristig, befürchtet der DPtV, gefährde auch die Aussetzung des Familiennachzugs - ein Teil des Pakets, der auch in der Regierungskoalition für Ärger sorgte - die Wiederherstellung psychischer Stabilität. Die Psychotherapeuten seien besorgt, dass die Bedeutung der psychischen Gesundheit für den Integrationsprozess aktuell unterschätzt wird. (jk)

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