Ärzte Zeitung online, 12.04.2016

Kranheitsbilder

Das sind die häufigsten Diagnosen bei Flüchtlingen

Eine Studie von DGIM und BDI zeigt: Das Spektrum der behandelten Krankheitsbilder verändert sich durch die Versorgung von Flüchtlingen kaum.

MANNHEIM. Wie wirken sich die Flüchtlingsströme auf den Versorgungsalltag in Praxis und Klinik aus? Dieser Frage sind DGIM und BDI in einer Mitgliederbefragung, an der sich im Frühjahr über 3600 Internisten beteiligt haben, nachgegangen.

Das Ergebnis überrascht - auch die Studien-Initiatoren, so DGIM-Kongresspräsident Professor Gerd Hasenfuß: Zwar wurden von den Befragten überwiegend Infektionskrankheiten (75,4 Prozent) diagnostiziert oder behandelt, doch meist waren es keine exotischen, sondern dieselben Infektionen, die auch beim festen Patientenstamm der Ärzte regelmäßig auftauchen. Hasenfuß: "Wir hatten etwas anderes erwartet."

In die Auswertung flossen dabei allerdings nur die Antworten der 2318 Ärzte ein, die bereits im vergangenen Jahr Flüchtlinge medizinisch versorgt hatten. Rund 61 Prozent von ihnen gab an, dass sich die Zusammensetzung der von ihnen behandelten Krankheitsbilder dadurch nicht verändert habe.

Viele Chroniker unter den Flüchtlingen

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Weitere Berichte vom Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim finden Sie hier: aerztezeitung.de/dgim2016

Die zweithäufigste Diagnose waren psychische Traumata (42,8 Prozent). Allerdings zeige die Auswertung der offenen Nennungen zu den Krankheitsbildern, dass auch viele Chroniker unter den Flüchtlingen seien, so DGIM-Generalsekretär Professor Ulrich Fölsch.

Mit 16 Prozent seien am häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen genannt worden. Neun Prozent der Nennungen bezogen sich auf eine Diabetes-Erkrankung. Fölsch: "Ich bin überrascht, dass so viele Diabetiker dabei sind." Denn unter den Flüchtlingen seien "ja überwiegend junge, schlanke Leute".

Probleme bei der Flüchtlingsversorgung machen den Ärzten laut Umfrage vor allem die Sprachbarrieren (90,6 Prozent) und kulturelle Unterschiede (39,9 Prozent). Migranten lehnten es häufig ab, sich von einer Ärztin behandeln zu lassen, so Fölsch. "Das ist ein großes Problem."

Wohingegen 69 Prozent der befragten Internisten die Kooperationsbereitschaft der Flüchtlinge bei Diagnostik und Therapie als gut oder sehr gut bezeichneten. Die Verständigung läuft übrigens meist über einen Dolmetscher (56,6 Prozent) oder auf Englisch (27,6 Prozent).

Syrische Flüchtlinge haben selten Tuberkulose

Infektionsspezialist Dr. August Stich von der Missionsärztlichen Klinik Würzburg mahnte indes, auch bei für uns untypischen Symptomen immer eine Tuberkulose auszuschließen und den Patienten Irrwege durch die Diagnostik zu ersparen.

So könnten geschwollene Lymphknoten ein Hinweis auf eine Lymphknotentuberkulose sein. Dabei sollte immer das Herkunftsland bei der Diagnostik berücksichtigt werden, so Stich weiter.

Bei Flüchtlingen aus Syrien sei die Tuberkulose zum Beispiel selten. (reh)

[12.04.2016, 18:11:00]
Dr. Bettina A. Naumann 
Tuberkuloseinzidenz der Migranten deutlich erhöht - auch bei Syrern!
Hier muss eindeutig widersprochen werden, die Tuberkuloseinzidenz bei den Flüchtlingen ist eindeutig viel höher als in der deutschen Bevölkerung. Für Flüchtlinge aus Syrien z.B. 19/100.000, gegenüber 5,6/100.000 EW 2014 in Deutschland (Quelle WHO (https://extranet.who.int/sree/Reports?op=Replet&name=%2FWHO_HQ_Reports%2FG2%2FPROD%2FEXT%2FTBCountryProfile&ISO2=SY&LAN=EN&outtype=html)
Die Inzidenzen gehen bis 85/100.000 EW in einigen afrikanischen Ländern. Vor einer Bagatellisierung ist dringend zu warnen, diese ist für geplante Ausrottung der Tuberkulose bis 2050 (EndTB-Kampagne) auch in keinster Weise hilfreich! zum Beitrag »

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