Ärzte Zeitung, 22.12.2009

GOÄ-Novelle wird zum Machtkampf von Ärzten und PKV

Bei der Novelle der Gebührenordnung für Ärzte droht ein Großkonflikt zwischen Ärzten und PKV-Branche. Die Versicherer wollen den starken Kostenzuwachs stoppen.

Von Ilse Schlingensiepen

Die stark wachsenden Leistungsausgaben bereiten privaten Krankenversicherern Kopfschmerzen. "Wir müssen den Trend der deutlichen Kostensteigerung im Interesse der Versicherten brechen", sagt der Direktor des PKV-Verbands Dr. Volker Leienbach. Große Hoffnung setzt die Branche auf die Novelle der Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte.

"Der Großteil unserer Ausgaben fließt in Honorare, und auf die Honorare haben wir praktisch keinen Einfluss." In den vergangenen zehn Jahren habe die PKV Kostensteigerungen zwischen sechs und sieben Prozent erlebt. "Dieser Trend darf nicht fortgeschrieben werden." Die Prämienerhöhungen würden auf Dauer keine Akzeptanz bei Versicherten und Beihilfestellen finden.

Ärzte nutzen selten die Spanne bei Multiplikatoren

"In unseren Augen gibt es für die Kostensteigerungen keine nachvollziehbare medizinische Begründung", betont Leienbach. Er veweist auf das Labor. Nach einer Untersuchung des PKV-Verbands müssen die Privatversicherer für Laborleistungen mehr als vier Mal so viel bezahlen wie die Kassen. Zudem bemängelt die Branche, dass die Ärzte bei den Multiplikatoren die Spanne kaum nutzen, sondern in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle den 2,3-fachen Regelhöchstsatz veranschlagen. "Wir zahlen nicht nur deutlich höhere Preise als die gesetzlichen Krankenkassen, sondern wir haben auch keine Mengenbegrenzung", sagt er.

Die neue GOÄ soll für Abhilfe sorgen. Die Branche hofft auf eine Öffnungsklausel, die es den Unternehmen ermöglichen würde, mit Ärzten von der Gebührenordnung abweichende Verträge zu schließen. Genau das wollen die Ärzte verhindern. "Die Öffnungsklausel wäre eine Kriegserklärung", sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und stellvertretender Vorsitzender des Gebührenordnungs-Ausschusses der Bundesärztekammer (BÄK). Die PKV wolle eine Preisspirale nach unten in Gang setzen, kritisiert er. "Das werden wir nicht dulden."

Sollten die Versicherer an ihrer Forderung festhalten, werde die BÄK mit dem Instrument der Abdingung kontern. Das heißt, dass die Ärzte auch andere Steigerungsfaktoren veranschlagen können als in der GOÄ vorgesehen. Die PKV könne schlecht die innovative Medizin propagieren und zugleich bei den Ärzten die Preise drücken. "Die GKV-isierung ist keine gute Werbung für die Vollversicherung", sagt Windhorst.

Nach 15-jähriger Wartezeit brauchten die Ärzte endlich eine Gebührentaxe, die ihre Leistungen sachgerecht abbildet und angemessen entlohnt, betont er. Um dem medizinisch-technischen Fortschritt Rechnung tragen zu könnten, sollte die GOÄ jährlich aktualisiert werden. Dann seien die Ärzte nicht länger gezwungen, mit unbefriedigenden Analogziffern zu arbeiten. Den weiteren Verhandlungen mit der PKV sieht Windhorst gelassen entgegen. "Wir haben noch einiges im Köcher."

Inhalt Jahresendausgabe 2009

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