Ärzte Zeitung, 22.12.2009

Deregulierung, Kalkulierbarkeit, Kümmern um die Versorgung chronisch Kranker

Der Koalitionsvertrag macht Hoffnung: Die neue Koalition bekennt sich zur Gesundheitswirtschaft, zur Innovationskraft der Medizin, zur Deregulierung. Den anspruchsvollen Zielsetzungen müssen nun Taten folgen. Die "Ärzte Zeitung" hat die Chefs der bedeutendsten Arzneimittelhersteller am Standort Deutschland gebeten, ihre Fragen an die Bundesregierung zu stellen. Herausgekommen ist ein breites Spektrum: An vorderster Stelle steht der Wunsch nach Deregulierung, Planbarkeit und raschem Zugang zu innovativen Arzneimitteln für die Patienten.

Dr. Martin Siewert, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Sanofi-Aventis mit 10 000 Mitarbeitern in Deutschland erforscht, entwickelt und produziert Arzneimittel im High-Tech-Bereich für die ganze Welt. Wird es gelingen, Innovationen wieder zugänglicher zu machen und das fortschreitende Zweiklassensystem zu stoppen, damit kein Patient auf innovative Medikamente verzichten muss?

Dr. Dirk Kosche, Novartis Pharma GmbH
Innovation braucht den Rückenwind der Politik. Wie will sich die Politik dafür einsetzen, dass Deutschland für die Forschung insgesamt und speziell für die klinische Forschung ein attraktiver Standort bleibt?

Han Steutel, Bristol-Myers Squibb GmbH
In Deutschland stehen neu zugelassene Medikamente sofort für die Patienten zur Verfügung. Dennoch ist die Penetration von Innovationen die langsamste in Europa. Wie denkt der Gesundheitsminister, Herr Dr. Rösler, erreichen zu können, dass die Deutschen schneller als bisher von innovativen Medikamenten profitieren können?

Ralf Göddertz, Daiichi Sankyo Deutschland GmbH
Mit Ihrem Bekenntnis zu einem innovationsfreundlichen Gesundheitswesen, zur Deregulierung und zur Geltung des Wettbewerbsrechts auch für Krankenkassen haben Sie viele Anliegen unserer Branche im Koalitionsvertrag aufgegriffen. Welche Erwartungen haben Sie an die Pharmaindustrie, welchen Beitrag erhoffen Sie sich von uns?

Isabell Remus, Sandoz Pharmaceuticals GmbH
Im Markt für Biopharmazeutika haben sich Biosimilars etabliert, sorgen für Wettbewerb und Einsparungen: bis 2020 rund 8 Milliarden Euro. Das erfordert Investitionen heute. Starke Hersteller werden durch Überregulierung und Rabattverträge benachteiligt. Was werden Sie tun, damit Biosimilars entwickelt werden können?

Hans Wormann, Janssen-Cilag GmbH
Wir wollen dazu beitragen, dass das richtige Medikament beim richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt wird. Was ist geplant, um die Versorgung chronisch Kranker, die oft sehr arbeitsteilig ist und in der Effizienzreserven zu vermuten sind, stärker ins Blickfeld von Lösungen für das Gesundheitssystem zu rücken?

Hanspeter Quodt, MSD Sharp & Dohme GmbH
Der Arzt sieht sich vor einem Dickicht von Regulierung. Wir wünschen uns einen Abbau. Nicht zur Gewinnmaximierung, sondern zur Planungssicherheit für den Arzt und die Industrie, auch für unsere hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Wie wird die Regierung dieses Thema angehen?

Helmut Fabry, Sandoz Deutschland/Hexal AG
Krankenkassen nutzen ihr Nachfragemonopol, um mit Wirkstoff-Ausschreibungen ruinösen Wettbewerb im Generikamarkt auszulösen. Das gefährdet Arbeitsplätze, Industriestrukturen und Qualität. Wollen Sie tatsächlich zulassen, dass Standort und Qualität für einen kurzfristigen, einmaligen Spareffekt aufs Spiel gesetzt werden?

Dr. Sven Dethlefs, Teva Deutschland GmbH
Wie wird die 15. AMG-Novelle im Bereich Zytostatika-Versorgung umgesetzt, ohne bestehende Versorgungsstrukturen für Krebspatienten im stationären und niedergelassenen Bereich zu gefährden? Was plant die Bundesregierung, um bestehende Überregulierung durch parallele Preisbildungsmechanismen aufzulösen?

Elmar Schnee, Merck KGaA
Merck Serono sieht in direkten Verträgen mit Krankenversicherungen eine Zukunftsoption für bessere Qualität und Effizienz. Dies erfordert uneingeschränkte Geltung des Kartell- und Wettbewerbsrechtes auch für Krankenkassen. Wann geschieht dies oder geht diese Regierung einen Schritt weiter zur Privatisierung der GKV?

Dr. Eugen Wilbert, Merz Pharmaceuticals GmbH
Wird es in Zukunft faire Nutzenbewertungen geben, mit einheitlicher Methodik nach international anerkannten Standards? Werden dabei auch klinische Erfahrung, Patientenzufriedenheit und krankheitsbezogener Aufwand berücksichtigt, indem Studien aus der Versorgungsforschung in die Bewertung einbezogen werden?

Oliver Kirst, Servier Deutschland GmbH
In welchem Ausmaße werden die Rahmenbedingungen - aktuellen Steuerungselemente zur Preisbildung, Verordnungsfreiheit des Arztes und Wahlfreiheit für den Patienten - im innovativen patentgeschützten Arzneimittelbereich modifiziert?

Dr. Andreas Penk, Pfizer Pharma GmbH
Das deutsche Gesundheitswesen ist stark. Gelingt es, Wettbewerb um beste Behandlungen, Konzepte und Kosten zu etablieren, die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen, werden Qualität und Effizienz daraus folgen: das System wird zukunftsfest. Was können wir tun, um auf diesem Weg schnell voranzukommen?

Jörn Oldigs, Novo Nordisk Pharma GmbH
In vielen Ländern gibt es Aktionspläne gegen Diabetes Mellitus. Der erste Ansatz durch das NAFDM in Deutschland war leider nicht so erfolgreich. Wird es eine neue Initiative unter Leitung des Gesundheitsministeriums gegen Diabetes geben, wovon acht bis zehn Millionen Menschen schon jetzt betroffen sind?

Inhalt Jahresendausgabe 2009

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