Samstag, 19. April 2014
Ärzte Zeitung, 20.09.2012

Für die Niederlassung

Genug Kredite für Landärzte

Ärzte, die auf dem Land eine Existenz gründen wollen, bekommen bei guter Bonität dafür auch das nötige Geld. Das zeigen Recherchen bei Banken.

Genug Kredite für Landärzte

Gute Aussichten: Für Landärzte öffnen die Banken meist den Tresor.

© frank peters / fotolia.com

NEU-ISENBURG (ger/di). Liegt ein Grund für die Ärzteknappheit auf dem Land darin, dass Existenzgründer kein Kapital von Banken zur Verfügung gestellt bekommen?

Diese Vermutung haben Leser geäußert, die die Aktion "Landarzt gesucht" verfolgen. Die Redaktion hat bei mehreren Banken nachgefragt - und kann diese Vermutung nicht bestätigen.

"Zu unserem Einzugsgebiet zählen viele ländliche Regionen, eine Kreditklemme können wir hier nicht bestätigen", sagt etwa Andreas Henning, Filialleiter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) in Rostock.

Die Bank wolle so viele Ärzte wie möglich für die Selbstständigkeit begeistern. Wenn die Kreditwürdigkeit gegeben sei, "helfen wir jederzeit weiter".

Zwei Milliarden Euro habe die Bank 2011 für Existenzgründungen sowie für Investitionen in Praxen und Apotheken zur Verfügung gestellt, so André Müller, Abteilungsleiter Produktmanagement der Bank.

"Ob wir ein Vorhaben finanzieren, hängt auch im Interesse unserer Kunden von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit ab", so Müller. Das werde im Rahmen einer individuellen Investitions- und Kostenberatung geklärt.

Ähnlich sieht das Caroline Roos, Leiterin Heilberufeberatung der Deutschen Bank: "Wir beobachten zwar häufig, dass Landarztpraxen schwerer oder gar nicht zu verkaufen sind. Das heißt aber nicht, dass diese Praxen nicht rentabel sind. Teilweise erwirtschaften die zu verkaufenden Praxen aber sogar attraktive Gewinne."

Schlüssiges Konzept nötig

Bei Anfragen für einen Kredit werde dann auf Basis der Praxiszahlen, der Bonität des Arztes und des Vorhabens entschieden.

Die Deutsche Bank sehe die Branchensituation bei Ärzten insgesamt als gut an. "Deshalb wollen wir unsere Kreditvergaben bei Ärzten und Zahnärzten weiter ausweiten", sagt Roos.

Die Sparkasse vor Ort hat zuletzt vorwiegend Ersatzinvestitionen von Ärzten für neue Technik oder Praxisausstattungen finanziert. Praxisgründer sind der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz ebenfalls willkommen.

Als Voraussetzung neben der persönlichen Kreditwürdigkeit nennt Ulrich Worgitzky, Leiter des Bereiches Firmenkunden, die Vorlage eines schlüssigen Konzeptes. Die wirtschaftlichen Gründungsvoraussetzungen schätzt er in seinem Geschäftsgebiet, zu dem Woldegk zählt, als gut ein.

Die VR-Bank Uckermark-Randow hat in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass junge Ärzte die wirtschaftlichen Chancen einer Niederlassung auf dem Land eher unterschätzen und zum Teil irrtümlich der Meinung sind, dafür kein Darlehen zu bekommen.

"Wir sind gern bereit, Niederlassungen auf dem Land zu finanzieren. Als Landarzt verdient man oft mehr als in der Großstadt", sagt Silvio Mausolf von der VR Bank Uckermark-Randow, die in Woldegk ebenfalls mit einer Filiale vertreten ist.

Er bestätigte die von der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern genannten guten Verdienstmöglichkeiten für ländliche Regionen im südlichen Mecklenburg. Über die Kreditwürdigkeit könne aber immer nur im Einzelfall entschieden werden.

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