Ärzte Zeitung online, 18.10.2010

Ärzte fordern klare Regeln für Umgang mit PID

Die Bundesärztekammer wehrt sich gegen Vorschläge aus der FDP, die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik über einen Katalog von Indikationen zu regeln.

Von Florian Staeck

BÄK fordert klare Gesetze für Gentests an Embryonen

BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery: "Endlich Rechtssicherheit für die Eltern und Ärzte."

© dpa

BERLIN. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat in der Debatte über den Umgang mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) Rechtssicherheit für Ärzte und betroffene Eltern angemahnt. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery begrüßte die klare Positionierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Frage.

Merkel hatte sich am Wochenende für ein Verbot der PID ausgesprochen. Montgomery bezeichnete dieses Votum als "Initialzündung" für eine gesellschaftliche Debatte, an deren Ende klare Regeln stehen müssten, "ob überhaupt, und wenn ja, in welchem Umfang, die PID in Deutschland anwendbar ist oder nicht", forderte der BÄK-Vize.

Zugleich wies er den Vorschlag der FDP zurück, die BÄK solle in einem Katalog von Indikationen festlegen, in welchen Fällen die PID -  und am Ende gegebenenfalls auch die Verwerfung des Embryos - erlaubt sein soll. "Es ist eine Illusion zu glauben, die Anwendung der Methode auf diesem Wege eingrenzen zu können".

Dagegen begrüßte er die Möglichkeit eines Moratoriums, bei der die PID für einen befristeten Zeitraum verboten wird. Allerdings sei dies nur sinnvoll, wenn sich der Gesetzgeber gleichzeitig verpflichte, eine dauerhafte Regelung in Form eines Fortpflanzungsmedizingesetzes zu schaffen, sagte Montgomery.

Unterdessen zeichnet sich im Bundestag ab, dass die Beratungen über eine mögliche Änderung des Embryonenschutzgesetzes ohne Vorgaben der Fraktionen geführt werden. Sprecher aller Fraktionen - wie auch die Kanzlerin - haben sich für eine Debatte ausgesprochen, bei der allein die Gewissensentscheidung des einzelnen Abgeordneten zählen soll. Bislang liegen von Fraktionen oder Abgeordneten noch keine konkreten Regelungsvorschläge vor.

Die BÄK beruft sich für ihre Haltung zur Präimplantationsdiagnostik auf den Beschluss des Deutschen Ärztetags 2002 in Rostock. Darin heißt es: "So verständlich und beachtenswert der Wunsch von Eltern mit genetischer Vorbelastung auf ein gesundes Kind ist, kann die PID nicht als gesellschaftlich akzeptiertes Verfahren zur Lösung des Problems angesehen werden."
Zur Begründung erklärte der Ärztetag, der Hauptzweck dieser diagnostischen Methode vor Einpflanzung des Embryos in den Uterus sei "ausschließlich die Selektion". Zudem sei das Verfahren "immer mit der Tötung embryonalen menschlichen Lebens, nämlich dem, was nicht als gesund oder als wünschenswert definiert wird", verbunden, heißt es in dem Ärztetags-Beschluss.

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