Ärzte Zeitung online, 24.02.2011

Gentests an Embryonen: BÄK für begrenzte Zulassung

BERLIN (sun). Die Bundesärztekammer (BÄK) hat sich für eine Zulassung der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen - allerdings unter "unter kontrollierten Voraussetzungen". Der BÄK-Vorstand hat dazu jetzt ein Memorandum verfasst.

Gentests an Embryonen: BÄK für begrenzte Zulassung

Befruchtete Eizellen: Der BÄK-Vorstand plädiert für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik.

© dpa

Sinnvoll sei eine gesetzliche Regelung, bei der die PID ausschließlich bei Paaren mit einem hohen genetischen Krankheitsrisiko angewendet werden dürfe, heißt es in dem der "Ärzte Zeitung" vorliegenden Memorandum der Kammer.

Solchen Paaren könnte mithilfe der PID zu einer Schwangerschaft "mit einem von dieser genetischen Erkrankung unbelasteten Embryo" verholfen werden. Eine Indikation liege etwa bei monogenetisch bedingten Erkrankungen oder numerischen und strukturellen Chromosomenstörungen vor.

Die BÄK begründet ihre Position mit ethischen Argumenten. In bestimmten Fällen sei eine in vitro-Befruchtung "auf Probe" ethisch weniger problematisch als eine "Schwangerschaft auf Probe", bei der ein Abbruch folge.

Dabei spielten vor allem die Zumutbarkeit für die Frau und des Entwicklungsstandes des vorgeburtlichen Lebens eine Rolle.

Die BÄK schließt einige Faktoren dabei klar aus: "Keine Indikatoren für die PID dürfen insbesondere Geschlechtsbestimmungen ohne Krankheitsbezug, Alter der Eltern und Maßnahmen der assistierten Reproduktion im Allgemeinen sein."

Für eine begrenzte Zulassung der PID spreche zudem, dass dieses Verfahren seit 20 Jahren auch außerhalb Deutschlands etabliert sei.

Um einem möglichen Missbrauch von Gentests an Embryonen vorzubeugen, könnten bei den Landesärztekammer PID-Kommissionen angesiedelt werden, erklärte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) und Mitverfasser des Memorandums, Professor Jan Schulze.

In den Kommissionen könnten Experten vorab prüfen, ob die "jeweils geplante PID den rechtlichen und standesrechtlichen Vorgaben" entspreche oder nicht, so Schultze.

Das Memorandum sieht zudem vor, dass die BÄK bei einer gesetzlichen Zulassung der PID in einer Musterrichtlinie Regelungen zur Durchführung der PID trifft.

Dazu zählen das Indikationsspektrum, die personelle und apparative Ausstattung, die medizinische und psychosoziale Beratung sowie die Lizenzierung der Zentren, in denen die Gentests durchgeführt werden dürfen.

Das BÄK-Memorandum wurde vom Vorstand der Bundesärztekammer im Februar verabschiedet. Das Thema PID wird eventuell auch auf dem 114. Deutschen Ärztetag in Kiel beraten. Zu einer Abstimmung darüber wird es aber nicht kommen.

Der Bundesgerichtshof hatte im Juli 2010 entschieden, dass nach geltenden Recht die Gentest an den nach künstlicher Befruchtung erzeugten Embryonen nicht strafrechtlich verboten seien.

Das hatte die politische Debatte um die PID neu entfacht. Im Bundestag soll noch vor der Sommerpause eine Entscheidung über die PID fallen.

Zur Abstimmung liegen derzeit drei Gesetzentwürfe. Einer sieht ein striktes Verbot, ein anderer die Zulassung und der dritte die Teilzulassung der PID vor.

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