Ärzte Zeitung online, 13.02.2014

Hamburg

Bundesweit erste PID-Kommission ist startklar

Das bei der Ärztekammer Hamburg angesiedelte Gremium wird schätzungsweise über 50 Anträge zur Präimplantationsdiagnostik zu entscheiden haben.

HAMBURG. Die gemeinsame Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik für die sechs Bundesländer Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat ihre Arbeit aufgenommen.

Die bei der Hamburger Ärztekammer angesiedelte Kommission ist die erste von voraussichtlich fünf, die es bundesweit zu diesem Thema geben wird. Die Kommission besteht aus acht Mitgliedern, darunter die vier Ärzte Dr. Markus Kuther (Städtisches Krankenhaus Kiel), Prof. Andreas Gal (Ärztlicher Leiter des Fachbereichs Humangenetik am MVZ des UKE), Dr. Gisbert Voigt (niedergelassener Kinderarzt in Celle) und Dr. Ulrike Dobreff (Psychotherapeutin an der Universität Rostock).

Die Hildesheimer Medizinrechtsanwältin Dagmar Beck-Bever vertritt die Fachrichtung Recht, Professor Christoph Rehmann-Sutter vom Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Uni Lübeck die Fachrichtung Ethik, der Berliner Lothar Bochat vom Sozialverband VdK die Patienten und Christiane Regensburger von der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen die Selbsthilfe der Menschen mit Behinderungen. Für jedes Mitglied wurden zwei Stellvertreter bestellt.

Laut Embryonenschutzgesetz ist PID erst erlaubt, wenn eine interdisziplinär zusammengesetzte Ethikkommission die Einhaltung der Voraussetzungen geprüft und der PID zugestimmt hat. Es wird damit gerechnet, dass es in Deutschland rund 300 solcher Untersuchungen im Jahr geben wird.

In Norddeutschland werden rund 50 Untersuchungen erwartet. Aufgrund der geringen Zahl hatten sich die sechs Länder zu einer gemeinsamen Kommission entschieden. "So gewährleisten wir eine kontinuierliche Prüftätigkeit und sichern damit die Qualität des Entscheidungsprozesses", sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Auch die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Sachsen und Thüringen wollen eine gemeinsame Kommission einrichten. Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin streben jeweils eigene Ethikkommissionen an. Jede Kommission wird für die Zentren in den ihr angeschlossenen Ländern zuständig sein.

Sie beziehen medizinische, psychologische, soziale und ethische Aspekte in ihre Entscheidungen ein. Die Mitglieder der Nord-Kommission wurden im Einvernehmen der Bundesländer von der Ärztekammer Hamburg nach Rücksprache mit den anderen Landesärztekammern berufen. (di)

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