Ärzte Zeitung, 22.08.2014

Gesundheitskompetenz

Weniger Wissen, schlechtere Versorgung?

Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz leben ungesünder und neigen weniger als andere dazu, die empfohlene Therapie umzusetzen. Versorgungsexpertin Professor Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf bei der Information und bei der Beratung.

Von Taina Ebert-Rall

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Überfordert mit der Recherche: Wer Patienten bei der Infosuche hilft, stärkt damit auch die Compliance.

© Andy Dean / fotolia.com

BERLIN. "Unsere Gesundheitsprofessionen haben offenbar nach wie vor Schwierigkeiten mit der Gesundheitskommunikation", sagt Doris Schaeffer, Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld. Schaeffer ist dort für Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft zuständig.

Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz (Health Literacy) laufen nach ihrer Einschätzung Gefahr, im Krankheitsfall inadäquate Behandlungs- und Pflegeleistungen zu erhalten.

"Gerade für diese Personengruppe sind geeignete Informationen und Beratung wichtig, erreichen sie aber nur unzulänglich", so Schaeffer, die auch Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung des Gesundheitswesens ist.

Entscheidend werde es daher sein, dass Beratungsstellen und Patienteninformationen stärker auf die besondere Situation und die Bedürfnisse dieser Menschen abgestimmt werden. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf."

60 Prozent sind schlecht informiert

Mit ihrer Einschätzung (siehe auch Interview auf dieser Seite) bezieht sich die Expertin auf die Ergebnisse des jüngst veröffentlichten WIdOmonitors des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der deutliche Defizite beim Gesundheitswissen der Deutschen aufgezeigt hat.

So offenbarte eine repräsentative Befragung von gesetzlich Versicherten zur Gesundheitskompetenz, dass 14,5 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten nur über eine unzureichende Gesundheitskompetenz verfügen und 45 Prozent über eine problematische.

Nur rund jeder Dritte (33,5 Prozent) in Deutschland hat eine ausreichende Kompetenz und sieben Prozent verfügen über ausgezeichnete Fähigkeiten beim Gesundheitswissen.

Für die Untersuchung hatte das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum der Universität Duisburg-Essen telefonisch 2010 gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren im Zeitraum Dezember 2013 bis Januar 2014 befragt.

Weitere Ergebnisse sind: Mehr als ein Viertel der Versicherten findet es schwierig, Informationen über Krankheitssymptome zu finden.

Fast ein Drittel hat Schwierigkeiten, Medieninformationen zu verstehen. 37 Prozent der Befragten können nur schwer beurteilen, ob eine Zweitmeinung einzuholen ist oder nicht.

Entscheidungshilfen für Patienten

Der Geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, bezeichnete es denn auch als ein Alarmsignal, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Unterstützungsangebote zu finden.

"Die Informationen müssen verständlich, nutzerorientiert und qualitätsgesichert sein und vor allem müssen sie bei den Menschen auch ankommen."

Graalmann verwies dabei auf das umfangreiche Angebot der AOK im Internet. Die AOK stellt mit Navigatoren im Internet für die Arzt-, Klinik- und Pflegesuche bereits Entscheidungshilfen zur Verfügung, die stark nachgefragt werden. "Dies dokumentiert das hohe Vertrauen in unsere Informationsangebote."

Um die Gesundheitskompetenz zu verbessern, ist laut Graalmann jedoch ganz klar nicht nur das Gesundheitswesen gefordert:

"Insbesondere in der Bildung muss Gesundheit einen festen Platz bekommen: schon in der Kita, in der Vorschule, in allen anderen Schulzweigen und in der Erwachsenenbildung sowie der außerschulischen Jugendarbeit."

So zeigt die AOK mit ihrem Programm JolinchenKids, das mit Beginn des Kita-Jahres 2014/15 aufs ganze Bundesgebiet ausgeweitet wird, bereits, was beispielsweise in Kitas alles möglich ist.

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