AOK Pro Dialog

Ärzte Zeitung, 29.08.2014

Arbeitswelt

Generation Y und Babyboomer wissen wenig voneinander

Der demografische Wandel sorgt dafür, dass der Anteil älterer Arbeitnehmer stetig zunimmt. Umso wichtiger wird daher, dass Generationen eng zusammenarbeiten. Doch der AOK-Fehlzeiten-Report zeigt, dass die Generation Y und die der Babyboomer noch zu sehr an Vorurteilen festhalten.

Von Taina Ebert-Rall

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Alt und jung: Beide wissen zu wenig voneinander.

© contrastwerkstatt / fotolia.com

BERLIN. Der Wettbewerb um geeignete Mitarbeiter wird in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich härter werden, denn die Zahl der Erwerbspersonen nimmt ab. Während dem Arbeitsmarkt im Jahr 2013 noch ca. 45 Millionen Personen zur Verfügung standen, werden es im Jahr 2030 bereits fünf Millionen Personen weniger sein.

Der ohnehin schon gestiegene Anteil älterer Arbeitnehmer wird weiter wachsen. Jüngere Fachkräfte werden andererseits so stark umworben sein wie nie zuvor. Dass Generationen eng zusammenarbeiten, wird daher in Zukunft noch mehr zum Erfolgsfaktor in Unternehmen.

Im Fehlzeiten-Report 2014 mit dem Titel "Erfolgreiche Unternehmen von morgen - gesunde Zukunft heute gestalten" hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) exemplarisch die Generation der Babyboomer und Vertreter der sogenannten "Generation Y" gefragt, wie sie über das Arbeitsleben und übereinander denken.

Das Ergebnis: Beide Generationen liegen in ihren Einstellungen näher beieinander, als sie selbst voneinander glauben. Und doch erscheint die jeweils andere Generation den Befragten teilweise fremd. Für die repräsentative Erhebung wurden von Januar bis Februar dieses Jahres bundesweit 2011 Erwerbstätige telefonisch befragt.

Wunsch nach sicherem Arbeitsplatz

Dabei zeigten sich im Generationenvergleich der heute 15- bis 30-Jährigen und der 50- bis 65-jährigen Babyboomer überraschenderweise vor allem Gemeinsamkeiten.

So werden ein sicherer Arbeitsplatz und eine Arbeit, die Spaß macht, von fast allen Angehörigen beider Generationen als wichtig eingeschätzt, genauso wie wertvolle Arbeitsinhalte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Als weniger wichtig wird hingegen von beiden Generationen gleichermaßen der Bereich Karriere und Prestige sowie ein hohes Einkommen und die Ausübung eines angesehenen Berufs beurteilt. Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich die Generationen trotz der Gemeinsamkeiten gegenseitig falsch einschätzen.

Die ältere Generation überschätzt vor allem die Bedeutung von flexiblen Arbeitszeiten, eines hohen Einkommens und von Aufstiegsmöglichkeiten für die Generation Y. Sie unterschätzt dagegen das Bedürfnis der Jüngeren, einen Beruf auszuüben, um anderen helfen zu können oder etwas Nützliches für die Allgemeinheit zu tun, und nach sicheren Arbeitsplätzen.

Flexibilität nicht nur für Jüngere

Die Jüngeren wiederum unterschätzen das Bedürfnis der Babyboomer nach einer Arbeit, die Spaß macht, nach Aufstiegsmöglichkeiten, nach Autonomie bei der Arbeit, anderen helfen zu können und nach flexiblen Arbeitszeiten.

Eine solche Fehleinschätzung könnte dem Report zufolge einer Zusammenarbeit der Generationen im Wege stehen. Dagegen helfen können altersgemischte Teams und generationengerechtes Führen in den Unternehmen, um Vorurteile abzubauen, sagt Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports.

"Dies würde gleichzeitig den dringend nötigen Wissenstransfer der Berufserfahrenen zu den nachrückenden Generationen erhöhen."

Vier Punkte zählt der Fehlzeiten-Report auf, die Arbeitgeber beachten sollten:

  • Auf Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen und die Zufriedenheit erhöhen.
  • Vorurteile abbauen und Potenzial aus Diversität schöpfen.
  • Mitarbeitern das Gefühl geben, mehr als ein Rad im Getriebe zu sein.
  • Arbeitsplätze gesundheitsgerecht gestalten.

"Arbeitgeber, die im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter bestehen wollen, brauchen eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur", sagt denn auch Eberhard Zimmermann von der AOK-NordWest und einer der Autoren des Reports.

"Es ist ganz klar, dass die Bewältigung des demografischen Wandels nicht durch einen einmaligen Akt, sondern durch einen fortwährenden Lern- und Entwicklungsprozess charakterisiert werden kann. Die Beteiligung der Mitarbeiter spielt dabei eine zentrale Rolle."

Der Fehlzeiten-Report, der wie jedes Jahr auch aktuelle Daten und Analysen zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft enthält, wird vom WIdO in Kooperation mit der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik Berlin publiziert und erscheint unter dem Dach von Springer Medizin.

http://wido.de/fzr_2014.html

[30.08.2014, 00:05:01]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Die Zahl der "Alten" nimmt nicht zu, sondern ab;
es fehlt nur der Nachwuchs von "Jungen". Diese etwas korrektere Formulierung könnte hilfreich sein, etwas daran zu ändern.
Anderenfalls könnte man fast die Meinung heraushören, die "Alten" sterben nicht schnell genug :-) zum Beitrag »

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