AOK Pro Dialog

Ärzte Zeitung, 28.05.2015

Kinderarztvertrag

Vorsorge und Früherkennung von klein an

Kranke Kinder sind häufig die kranken Erwachsenen von morgen. Der Kinderarztvertrag der AOK Bayern und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte setzt den Schwerpunkt daher auf Vorsorge und Früherkennung. Das kommt gut an: 250.000 Kinder und Jugendliche sind bereits eingeschrieben.

MÜNCHEN. Wie viel Beikost verträgt mein Baby? Soll ich Gläschen kaufen oder den Brei selbst zubereiten? Und wann macht die Umstellung Sinn? Viele Eltern kennen solche Fragen - nicht wenige sind verunsichert, ob sie das Richtige oder das Falsche für ihr Baby tun.

Ein Grund mehr für die AOK Bayern und den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), ein spezielles Beratungsangebot in ihren Kinderarztvertrag hineinzuschreiben.

Das neue Angebot richtet sich an die Eltern von Kindern zwischen dem dritten und achten Lebensmonat. Mithilfe der Beratung sollen die Familien den Übergang zu gesunder Beikost reibungslos gestalten und damit die Weichen frühzeitig in Richtung einer ausgewogenen Ernährung für das Baby stellen können. (Hier finden Sie den ausführlichen Vertragstext).

Novum in Versorgungslandschaft

Vorsorge: AOK übernimmt die Kosten

Auch in anderen Regionen übernimmt die AOK die Kosten für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wie die U10 und die U11 und bietet besondere Leistungen für Kinder und Jugendliche an. Nähere Informationen für die einzelnen Regionen sind unter www.aok.de/familie abrufbar.

Darüber hinaus engagiert sich die AOK im Rahmen ihrer Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft" bundesweit für die Gesundheit von Kindern. So fördert das Programm "JolinchenKids - Fit und gesund in der Kita" die Gesundheit von Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Ziel ist es, Gesundheitsbildung in die Kitas zu bringen und dort nachhaltig zu verankern.

Die Kinder lernen spielerisch, sich ausgewogen zu ernähren, sich ausreichend zu bewegen und ihr seelisches Wohlbefinden zu stärken. Dabei ist die aktive Einbindung der Eltern ein wichtiges Element.

Mit dem Vorläuferprogramm "TigerKids" konnten allein im Vorschulbereich mehr als 5000 Kitas und über 300.000 Familien erreicht werden. Auch Schulprogramme und das AOK-Kindertheater "Henrietta" tragen dazu bei, die Themen gesunde Ernährung und Bewegung an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. (eb)

Das Beratungsangebot ist nur ein Mosaikstein von vielen, aus denen sich der bayerische Kinderarztvertrag von AOK und BVKJ - auch Pädiatriezentrierter Versorgungsvertrag (PzV) genannt - zusammensetzt. Bereits seit 2009 läuft der Vertrag, der laut AOK ein Novum in der deutschen Versorgungslandschaft markiert.

"Es handelt sich um den ersten Hausarztvertrag für Kinder und Jugendliche in Deutschland, der als sogenannter Add-on-Vertrag die allgemeine kinderärztliche Versorgung ergänzt", sagt Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern.

Der Kerngedanke: Der betreuende Kinderarzt übernimmt die Rolle des Lotsen, die Versorgung der Kleinen wird so sicherer und effektiver.

Und das kommt gut an: Derzeit sind rund 250.000 Kinder und Jugendliche und über 90 Prozent der bayerischen Kinder- und Jugendärzte im Vertrag eingeschrieben. Tendenz steigend.

Für Ärzte und Eltern ist die Teilnahme freiwillig. Und: Die Eltern können den teilnehmenden Kinder- oder Jugendarzt ihres Vertrauens frei wählen.

Schwerpunkt des Vertrages ist seit Beginn an die kinder- und jugendärztliche Vorsorge und Früherkennung. Im Vergleich zur sonst üblichen allgemeinen kinderärztlichen Versorgung in Deutschland sind die Vorsorgeleistungen im bayerischen Kinderarztvertrag deutlich umfassender. Sie beinhalten eine erweiterte Prüfung der Sprache und des Hörens und die Jugenduntersuchung J2.

Gesondert vergütet werden auch die neuen Untersuchungen U10 (Entwicklungsanalyse) und U11 (Gesundheitsstatus), die die Lücke der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren schließen. "Gerade in dieser Phase werden wichtige Weichenstellungen für die soziale und gesundheitliche Entwicklung gestellt", betont Eva Adler, Vertragsreferentin der AOK Bayern.

Seelische Fehlentwicklung im Blick

Die dafür besonders qualifizierten Kinder- und Jugendärzte können im Rahmen der neuen Vorsorge neben der körperlichen Untersuchung Leistungsstörungen, Schulprobleme, Aufmerksamkeitsdefizite, Probleme im Umgang mit Medien oder auch seelische Fehlentwicklungen feststellen und frühzeitig Hilfsangebote einleiten.

"Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass Ärzte und Therapeuten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland immer häufiger eine seelische Erkrankung feststellen müssen", sagt AOK-Chef Platzer.

Neben der bereits erwähnten Elternberatung sieht der Vertrag auch ein erweitertes Neugeborenen-Screening sowie die Durchführung und Honorierung der Sonographie von Niere und Blase sowie Testverfahren zur Feststellung von Entwicklungsdefiziten vor.

Weiterer Pluspunkt: Für die Teilnehmer gibt es verkürzte Wartezeiten in der Kinderarztpraxis. Der Vorteil: Kinder berufstätiger Eltern können Termine außerhalb der üblichen Sprechstunden erhalten.

Gesundheitskasse und Kinderärzte sind sich einig, dass Mehraufwendungen im Vertrag über Effizienzsteigerungen zu finanzieren sind.

So ist etwa zur Verbesserung der Pharmakotherapie der Einsatz von wissenschaftlich begründeten und zugleich praxiserprobten Leitlinien vorgesehen. Zudem sollen insbesondere unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden und verstärkt der Grundsatz "ambulant vor stationär" Berücksichtigung finden. (hom)

AOK Nordost: Hilfe beim Abschied vom Kinderarzt

Wenn chronisch kranke Jugendliche in die Erwachsenenmedizin wechseln, haben sie viele Fragen. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hilft ihnen sowie ihren behandelnden Ärzten ein Transitionsprogramm der AOK Nordost weiter.

Experten zufolge haben immerhin 30 bis 40 Prozent der jungen Menschen Schwierigkeiten beim Übergang zum Erwachsenenarzt. Waren sie zuvor jahrelang mit ihrem Kinderarzt oder einem ärztlichen Spezialisten eng vertraut, müssen sie mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres selber viele Arzttermine organisieren und Therapien penibel einhalten. Hier setzt das Transitionsprogramm an.

In das Programm der AOK Nordost werden Jugendliche mit chronischen Erkrankungen vor dem Wechsel in die Erwachsenenmedizin aufgenommen und anschließend von einem Fallmanager begleitet. Das zunächst gemeinsam mit den DRK-Kliniken Berlin als "Berliner Transitionsprogramm" aufgelegte Projekt wurde 2013 auf Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ausgeweitet.

Neben Diabetes und Epilepsie werden auch Jugendliche mit den Indikationen Niereninsuffizienz, juvenile Arthritis und neuromuskuläre Krankheiten betreut. Bis zu zwei Jahre werden die Jugendlichen bei dem Wechsel von Fallmanagerinnen betreut. Sie stehen den Jugendlichen und den an der Betreuung beteiligten ärztlichen Partnern als erster Ansprechpartner zur Verfügung. So lassen sich mögliche Brüche in der Versorgungskette vermeiden. (hom)

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