Ärzte Zeitung, 21.08.2013

Versorgungsgesetz

Weichen für mehr Landärzte gestellt

Mit dem Versorgungsstrukturgesetz lassen sich keine neuen Ärzte schnitzen. Aber es erleichtert künftigen Landärzten das Leben.

Von Anno Fricke

Land-H.jpg

Auf Hausbesuch: Den Landärzten fehlen die Praxisnachfolger.

© Klaus Rose

BERLIN. Ob die schwarz-gelbe Koalition der Jahre 2009 bis 2013 einmal für ihre Verdienste um die flächendeckende ärztliche Versorgung gelobt werden wird, ist offen.

Sicher ist nur, dass sich die Koalitionäre für eine bessere ärztliche Versorgung auf dem Land und in sozialen Brennpunkten der Städte stark gemacht haben.

Das bedeutendste Werk der Gesundheitspolitik unter den beiden FDP-Gesundheitsministern Philipp Rösler und Daniel Bahr ist das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz.

Keine Mengensteuerung über abgestaffelte Preise

Seine drei Hauptbestandteile sind finanzielle Anreize für Ärzte, sich in unterversorgten Gebieten niederzulassen, die Neufassung der Bedarfsplanung und die ambulante spezialfachärztliche Versorgung.

Ärzte, die den Schritt in ein unterversorgtes Gebiet gehen, bekommen ihre Leistungen voll vergütet. Eine Mengensteuerung über abgestaffelte Preise findet dort nicht mehr statt. Dazu kommen zahlreiche Detailregelungen.

Die Abschaffung der Residenzpflicht soll es Ärzten ermöglichen, in der Stadt zu leben und die Praxis auf dem Land zu führen. Mobile Praxen sollen über Land rollen, und die Telemedizin mit ihren Möglichkeiten, Blutdruck- und Blutwerte im Internet zu übertragen, soll Kontakte zwischen Patienten und Ärzten dort ermöglichen, wo kein Arzt mehr in der Nähe praktiziert.

Wo Ärzte knapp sind, sollen medizinische Fachangestellte für ihre Chefs auf Hausbesuch gehen. Kassenärztliche Vereinigungen und Kommunen sollen selbst Praxen eröffnen können, in denen angestellte Ärzte arbeiten.

Arzt und Landleben - wie geht das?

Ziel ist es, jungen Ärzten Leben und Arbeit auf dem Land schmackhaft zu machen. Die seit dem Vertragsarztrechtänderungsgesetz von 2007 bestehenden Möglichkeiten, auch in der ambulanten Medizin angestellt zu arbeiten, hat die Koalition mit dem Versorgungsstrukturgesetz noch ausgebaut. Damit trifft sie den Nerv der Zeit.

Eine Umfrage des Hartmannbundes aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt...

Jetzt gleich die App herunterladen und weiterlesen ...

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »