Ärzte Zeitung online, 18.08.2008

AOK-Chef Ahrens ruft die KBV zu neuen Honorar-Gesprächen auf

Inca/Mallorca (vdb). Der Chef des AOK-Bundesverbandes fordert die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf, im Streit um die Honorare für 2009 wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Hans-Jürgen Ahrens.

Foto: Schulten

Es wäre ein denkbar schlechtes Zeichen der Selbstverwaltung, wenn beide Seiten der Politik die Entscheidung über die künftigen Honorare der niedergelassenen Ärzte überlassen würden, sagte Dr. Hans-Jürgen Ahrens am Rande eines Bionorica Symposiums auf Mallorca. Die Selbstverwaltung sei in der Pflicht, zu einer Einigung zu kommen.

Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" kritisierte der AOK-Vorstand die von Politikern der Koalition vorab gemachten Zusagen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gegenüber der Ärzteschaft. Zugleich deutete Ahrens an, dass die zusammen mit dem Schlichter Professor Hans-Jürgen Wasem im erweiterten Bewertungsausschuss zugesagte Summe nicht das letzte Wort sein müsse.

Zur Erinnerung: Die Gespräche über eine Honorarregelung waren in der vorletzten Woche von der KBV abgebrochen worden. Verhandelt wurde über ein Angebot des Schlichters, dessen Volumen die Krankenkassen auf etwa zwei Milliarden Euro, die Ärzte aber auf nur 1,4 Milliarden Euro beziffern.

"Der Spitzenverband Bund will mit den Ärzten weiterverhandeln und am Ende wird man sehen", so Ahrens weiter. Immerhin müssten die Ärzte zur Kenntnis nehmen, dass das Morbiditätsrisiko auf die Kassen übertragen werde und dadurch auch neue Chancen entstünden.

In diesem Zusammenhang appellierte Ahrens an die Koalition, den Gesundheitsfonds finanziell "zu 100 Prozent" auszustatten. Dabei geht der Kassenchef davon aus, dass der künftige Beitragssatz bei über 15 Prozent liegen werde. Mit einer genauen Prognose hielt sich der Kassenchef jedoch zurück. Ahrens zeigte sich zuversichtlich, dass vermutlich keine Ortskrankenkasse einen Zusatzbeitrag wird erheben müssen. "Dafür wird die Solidargemeinschaft innerhalb des AOK-Verbundes sorgen."

Außer der grundsätzlichen Kritik am Gesundheitsfonds bemängelte der Kassenchef vor allem den eng gesetzten Zeitplan. So sei es kaum möglich, erst nach dem 15. November - bis dahin will die Koalition den Krankenkassen "alle relevanten Daten zur Verfügung stellen" - eine solide Haushaltplanung für das Jahr 2009 vorzulegen. Ahrens: "Wir werden vermutlich nur einen vorläufigen Plan entwickeln können."

Verständnis äußerte der AOK-Vorstand für seine Kollegen auch in puncto Vertragskündigungen. Mit Blick auf die finanziellen Risiken für das nächste Jahr sollten generell alle Verträge darauf hin überprüft werden, inwiefern dadurch eine Budgetbereinigung erfolgen kann. Die Kündigung einzelner Verträge werde aber nicht dazu führen, dass dadurch die Versorgung gefährdet wird.

Mit Blick in die Zukunft versicherte Ahrens, dass sich die neue Vertragswelt der AOK noch stärker an den Bedürfnissen der Versicherten ausrichten werde. Dabei denke man zur Zeit intensiv über die Themen Zusatzversicherung, Selbstbehalte und neue Versorgungsformen nach. Im Mittelpunkt stehe dabei die Qualität der Versorgung, so Ahrens. Dort werde man die Spielräume nutzen, die der Gesetzgeber im Rahmen von Selektivverträgen geschaffen habe und sich mit den Partnern zusammenschließen, die bereit sind, eine hohe Versorgungsqualität vorzuhalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Abstimmung über Trumps Gesundheitsreform verschoben

Die Republikaner haben nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen, verschieben die Abstimmung im Kongress. Trump muss warten - das kann ihm nicht schmecken. Aber das Weiße Haus macht Druck. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »