Ärzte Zeitung online, 15.09.2008

Erfinder des Gesundheitsfonds rechnet 2009 mit Kassen-Pleiten

BERLIN (dpa). Der Erfinder des Gesundheitsfonds, der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Professor Wolfram Richter, rechnet für 2009 mit den ersten Pleiten von gesetzlichen Krankenkassen. "Schon im Laufe des nächsten Jahres werden wir über erste Insolvenzen sprechen."

Dies seien dann Kassen, die sich nicht auf den schärferen Wettbewerb durch den Gesundheitsfonds eingestellt hätten. Dieser werde einen enormen Druck ausüben. Zudem werde es eine Reihe von Fusionen zwischen Krankenkassen geben, sagte Richter der "Berliner Zeitung" .

Durch solche Zusammenschlüsse und Insolvenzen werde die Zahl der heute rund 215 gesetzlichen Krankenkassen "drastisch zurückgehen", prophezeit der Experte. "Die Zeiten, in denen man eben mal eine Betriebskrankenkasse gegründet hat, um unter den Versicherten Rosinenpickerei zu betreiben, sind endgültig vorbei." Für eine erfolgreichen Handhabung des Fonds brauche man erfahrenes Personal. "Das können kleine Kassen gar nicht leisten."

In den Gesundheitsfonds fließen von 2009 an die Krankenversicherungsbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Den bundesweit einheitlichen Beitragssatz legt der Bund zuvor fest. Der Fonds soll die Beitragseinnahmen zwischen den Kassen gerechter verteilen. Kassen mit vielen kranken oder alten Versicherten erhalten Geld von Konkurrenten. Kommt eine gesetzliche Krankenkasse mit den Mitteln aus dem Fonds nicht aus, kann sie einen begrenzten Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern erheben.

Weitere Artikel der Ärzte Zeitung zum Thema Gesundheitsfonds

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16133)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »