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Ärzte Zeitung online, 20.11.2008

Gesundheitsfonds startet ohne Zusatzbeiträge - Kassen unsicher

BERLIN (dpa). Zusatzbeiträge bleiben den allermeisten gesetzlich Krankenversicherten zum Start des Gesundheitsfonds in sechs Wochen erspart. Die vielfach befürchtete Abgabe in Höhe von bis zu einem Prozent des Einkommens - eine Erfindung der Fonds-Konstrukteure der Koalition - wird anfangs wohl noch gar nicht fällig.

Viele Kassen blicken aber unsicher in ihre finanzielle Zukunft und wollen für das Gesamtjahr 2009 nichts ausschließen. Mehrere Kassen reagieren auf den steigenden Wettbewerb durch Angebote über das Vorgeschriebene hinaus - andere sehen Spielräume schrumpfen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Derzeit errechnen die mehr als 200 Kassen ihren Haushalt 2009 - erstmals auf Basis von Bescheiden des Bundesversicherungsamts für den Fonds. Der Kassen-Spitzenverband hatte gewarnt, die 167 Milliarden Euro für die Kassen 2009 seien mindestens 2,6 Milliarden weniger als nötig. "Auf breiter Front" drohten Zusatzprämien.

Ab 1. Januar 2009 gilt der Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent für alle Kassen - 90 Prozent der 50 Millionen Mitglieder zahlen mehr. Kommt eine Kasse mit ihrem Geld nicht aus, muss sie Zusatzbeiträge erheben. Behält sie Geld über, kann sie es an die Mitglieder zurückerstatten. Je nach Krankheitszustand der eigenen Klientel schwanken die Zuweisungen der Kassen aus dem Fonds zwischen 100 und 280 Euro pro Versichertem. Die AOK profitieren von der Umverteilung am meisten (wie berichtet).

"Die gesetzlichen Krankenkassen bereiten sich intensiv auf den Gesundheitsfonds vor mit dem festen Ziel, auch 2009 die Versorgung der 70 Millionen Versicherten gut und verlässlich zu organisieren", sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, der dpa.

Das sagen die AOK

"Die AOK-Gemeinschaft startet 2009 ohne Zusatzbeitrag in die neue Gesundheitsfonds-Welt", sagte der Vorsitzender des AOK-Verbandes, Hans Jürgen Ahrens. Ex-AOK-Mitglieder, die jetzt bei günstigeren Kassen versichert sind, würden wohl stärker zurückkommen. Mögliche mittelfristige Zusatzbeiträge oder Spielräume für Rückzahlungen seien derzeit nicht abschätzbar, ergänzte AOK-Sprecher Udo Barske. Neue Wahltarife werden etwa bei der AOK Hessen kalkuliert.

Das sagt die BEK

Die derzeit noch größte Kasse Barmer will laut Sprecher zum Fondsstart ebenfalls keinen Extrabeitrag - zahlt aber auch nichts aus. So ist es durch die Bank. Profiteure der neuen Umverteilung nach Krankheit unter den Kassen sagen, sie hätten Anreize für bessere Versorgung chronisch Kranker. Der Barmer-Sprecher: "Es kommt darauf an, durch geschicktes Agieren Qualität und Mehrwerte für die Versicherten zu schaffen."

Das sagt die DAK

Keine Zusatzbeiträge sogar bis Ende 2009 bei der DAK - neue Angebote hat die Kasse vor dem Hintergrund des Fonds aber nicht entwickelt. Die Versicherten profitierten weiter vom DAK-Service, sagt die Kasse. Mit Blick auf jüngste DAK-Attacken gegen den Fonds nannte es der Sprecher von Ministerin Ulla Schmidt (SPD), Klaus Vater, "bemerkenswert", dass sich die Kasse der neuen Lage stelle.

Das sagen die TK, KKH und GEK

Unklar ist laut Techniker Krankenkasse die Finanzentwicklung im Gesamtjahr. Zusatzbeiträge seien nicht geplant, Leistungen über die Pflicht hinaus schon. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) sieht sich gut aufgestellt. Auch die Gmünder ErsatzKasse GEK benötigt für 2009 - Stand heute - kein Extrageld, so Sprecher Kai Behrens. "Unser Polster ist nicht so dick." Moderat würden Leistungen aber ausgebaut.

Das sagen die BKK

Teils gedämpfte Aussichten gibt es bei den Betriebskrankenkassen (BKK). "Es wird schon kritischer geschaut werden, welche Leistung sinnvoll ist und welche nicht", sagte eine Sprecherin des BKK-Verbandes Bayern. Beim BKK-Verband Baden-Württemberg hieß es, von den Ausgaben und dem Arbeitsmarkt hänge ab, welche Zusatzleistungen noch geboten werden können. Die Deutsche BKK (Wolfsburg) will weiter "die Geldbörse der Versicherten schonen". Die Thüringer-Energieversorger- BKK entwickelt laut Vorstand Peter Klink gerade "ein Leistungspaket".

Das sagt die IKK

Prämienzahlungen strebt die IKK gesund plus in Magdeburg an - sicher sei es noch nicht. Auch die Thüringer IKK hält das für denkbar; Spielräume gebe es für Wahltarife: "Damit sollen Therapien bezahlt werden, die über die Schulmedizin hinausgehen."

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