Ärzte Zeitung, 12.12.2008

Wahltarife - 18 Kassen auf dem Prüfstand

Zwar gibt es schon seit April 2007 Wahltarife in der gesetzlichen Krankenversicherung. Versicherte haben bislang aber wenig Möglichkeiten, sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen.

Von Ilse Schlingensiepen

Seit der Gesundheitsreform müssen Kassen Wahltarife anbieten.

Foto: dpa

Die Rheinische Fachhochschule (RFH) Köln will jetzt Abhilfe schaffen. Das Institut für Medizin-Ökonomie & Medizinische Versorgungsforschung hat den nach eigenen Angaben ersten Leitfaden über GKV-Wahltarife herausgegeben.

"Man muss dem Versicherten ein Instrument an die Hand geben, damit er sich zurechtfindet", sagt Studiengangsleiter Professor Rainer Riedel. Die Wahl eines bestimmten Tarifes könne schließlich für die Versicherten mit erheblichen finanziellen Konsequenzen verbunden sein.

Zudem binden sich Versicherte bei Angeboten, die finanzielle Vorteile versprechen, für drei Jahre an die Krankenkasse. Auf solchen monetären Wahltarifen liegt der Schwerpunkt des Leitfadens: Das sind Tarife mit Selbstbehalt, mit Beitragsrückzahlung bei Leistungsfreiheit, für Kostenerstattung und für die Kostenübernahme für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen.

Für den Leitfaden haben die vier Autoren die Angebote der 18 größten Kassen geprüft. "Damit sind gut zwei Drittel aller Krankenversicherten abgedeckt", sagt Riedel. Die Broschüre beschreibt den Inhalt der verschiedenen Wahltarife, ihre Ausgestaltung bei den einzelnen Kassen und die dort jeweils verlangte Prämie.

Der Nutzer kann die Kriterien zur Bewertung selbst gewichten.

Kern des Leitfadens ist ein Bewertungsmodell. Dort charakterisieren die Autoren, für welche Personengruppen sich bestimmte Tarife besonders eignen, zum Beispiel Selbstbehalttarife für gut verdienende gesunde Versicherte oder Beitragsrückerstattungstarife für Geringverdienende.

Außerdem haben sie ein Nutzwert-Analyse-Modell entwickelt, mit dem jeder Interessierte selbst herausfinden kann, welches Angebot am besten zu seinen individuellen Bedürfnissen passt. Dafür haben die Autoren einzelne Tarifkriterien mit 0 bis 4 Punkten versehen und den Kassen dann jeweils eine Punktzahl zugeordnet. Die Kriterien kann der Nutzer dann gewichten, je nachdem, welche Bedeutung sie für ihn haben. Auf diesem Weg kann sich der Leser ein persönliches Ranking für Tarife erstellen. "Jeder Versicherte hat andere Prioritäten", sagt Autorin Kirsten Ulrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin der RFH.

"Das Bewertungsmodell liefert lediglich Indikatoren für die Auswahl der Tarife", sagt Riedel. Empfehlungen spreche das Institut nicht aus. "Wir wollen keine Versicherungsmakler werden!" Grundsätzlich zeichne sich aber klar ab, dass sich Wahltarife mit monetären Anreizen vor allem für gesunde Versicherte eignen. Wer bereits erkrankt ist, fahre besser mit versorgungsbezogenen Wahltarifen der Kassen wie DMP, Verträge zur integrierten Versorgung oder Hausarzttarife. "Sie bieten den Versicherten einen Leistungsvorteil", sagt der Neurologe.

Der "Leitfaden Wahltarife der gesetzlichen Krankenversicherungen" kann unter www.rfh-koeln.de kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Er wird regelmäßig überprüft und aktualisiert, kündigt Riedel an. Außerdem soll im ersten Quartal 2009 im Internet auch eine interaktive Version zur Verfügung stehen.

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