Ärzte Zeitung, 19.01.2009

Diabetiker, aber nicht im DMP? Das gibt Ärger!

In Hessen haben Kassen Sonderverträge zur Diabetesvereinbarung gekündigt. Eine Übergangsregelung stößt auf massives Unverständnis.

FRANKFURT/MAIN (ine). In Hessen sind viele Diabetes-Patienten und Ärzte verärgert über die Krankenkassen. Nachdem die Kassen die Sonderverträge zur Diabetesvereinbarung zum 1. Januar gekündigt haben, gilt derzeit für das erste Quartal 2009 eine Übergangsregelung. Sie benachteiligt Patienten, die nicht in Disease-Management-Programme (DMP) eingeschrieben sind.

Die von der KV in Frankfurt/Main mit den Krankenkassen verhandelte Übergangsregelung sieht unter anderem vor, dass die Kosten für Diabetiker-Schulungen von den Kassen erstattet werden - allerdings nur, wenn es sich um DMP-Patienten handelt (25,26 Euro oder 38,35 Euro für die ICT-Schulung bei intensivierter Insulintherapie).

"Wenn ein Diabetes-2-Patient von der oralen Therapie auf Spritzen umgestellt wird, dann muss er doch geschult werden", sagt Frank Ulrich vom Deutschen Diabetiker-Bund im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Es sei geradezu unverantwortlich, Nicht-DMP-Patienten auszugrenzen. Es könne auch nicht sein, dass Ärzte ihre Patienten zu Zwangseinschreibungen nötigen.

Nach den Angaben des Diabetiker-Bundes fallen etwa 40 bis 50 Prozent aller Diabetespatienten in Hessen unter die neue Regelung. Frauen mit Gestationsdiabetes trifft es besonders hart. "Sie erfüllen nicht einmal die gesetzlichen Bedingungen, um in ein DMP aufgenommen zu werden", erklärt Ulrich. "Das geht doch gegen den humanitären Gedanken."

Ähnlich sieht dies auch Dr. Jörg Simon von der Genossenschaft hessischer Diabetologen in Fulda: "Die bisherige Vergütung hat die aufwändige Betreuung von Schwangerschaftsdiabetikerinnen und anderen Patienten quersubventioniert", sagt er: "Wenn das gekürzt wird, können wir dies nicht mehr leisten. Das kann doch von den Krankenkassen nicht ernsthaft gewollt werden."

Der Diabetiker-Bund hofft nun auf die anstehenden Verhandlungen der KV Hessen mit den Kassen. "Ab April muss es ja irgendwie weitergehen", sagt Ulrich. "Wir sind zuversichtlich, dass es in den weiteren Verhandlungen gelingen wird, ein akzeptables Gesamtpaket zu schnüren", heißt es bei der KV Hessen.

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