Ärzte Zeitung online, 05.02.2009

BVA-Chef Hecken rechnet mit weiteren Fusionen unter den Krankenkassen

BONN/BERLIN (dpa). Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen sinkt bald unter die Grenze von 200. "Wir haben offiziell 201 Kassen", sagte der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Allein bei den Kassen unter Bundesaufsicht gebe es derzeit drei konkrete Fusionsbegehren. "Die werden sich auch innerhalb der nächsten drei Monate konkretisieren", sagte Hecken. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sieht grundsätzlich 30 bis 50 Kassen als ausreichend für den Wettbewerb an. Mit ihrer Fusion zum Jahresbeginn sind Techniker Krankenkasse und IKK-Direkt zur größten deutschen Kasse aufgerückt.

Bei den kleineren und mittleren Kassen stünden voraussichtlich etwa 20 Fusionen bevor, sagte Hecken. Eine "Elefantenhochzeit" zwischen großen Kassen sei aber nicht absehbar. Auch ein "massenweiser Fusionswahn" breche nicht aus. "Der Großteil sind eher strategische Fusionen." Dabei gehe es darum, durch verbesserte Angebote die Marktposition zu sichern. Es gebe aber auch Fälle, wo Fusionen wegen hoher Ausgaben etwa für Krankenhausbehandlungen, Facharztbesuche oder Arzneimittelausgaben nötig seien - unabhängig vom seit Jahresbeginn eingeführten Gesundheitsfonds. Nicht alle diese Kosten würden durch den neuen, erweiterten Finanzausgleich des Fonds ausgeglichen.

Rund einen Monat nach dem Fondsstart zeigte sich Hecken zufrieden. "Nach dem Stand Donnerstagmittag haben wir bis zur Stunde 12,1 Milliarden Euro absolut geräuschlos über den Gesundheitsfonds ausbezahlt", teilte der Chef des Bonner Amtes mit. "Es hat kein Chaos gegeben, sondern die Zuweisungen sind tagesgenau erfolgt." Täglich um 12.30 Uhr gebe das Bundesversicherungsamt den Kassen bekannt, "was an diesem Tag an Geld bei uns eingeht und im Lauf des Nachmittags an sie zur Auszahlung gelangt". Die Kassen erhielten auf diese Weise Planungssicherheit, das Geld könne schnell in die Versorgung fließen.

Der Kassenwettbewerb hat nach Angaben Heckens spürbar zugenommen. Als Beispiel nannte er Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung. "Da sind jetzt Kassen unterwegs, die in der Vergangenheit eher zurückhaltend waren." Hecken zeigte sich gelassen, dass es immer noch Kritik am Gesundheitsfonds gibt: "Ich habe mit elf Jahren aufgehört, Grimms Märchen zu konsumieren." Er habe nicht erwartet, dass frühere Mahner und Warner plötzlich in Jubel ausbrechen.

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